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Haben Sie Mitgefühl – mit sich selbst!

Haben Sie Mitgefühl – mit sich selbst! - Achtsamkeit

Kennen Sie das? Ihnen passiert ein Missgeschick oder Sie begehen einen Fehler und schimpfen erbarmungslos mit sich selbst: „Ich Idiot!“, „Wie dämlich muss man sein?“ und ähnlich harsche Kritik, mit der das eigene Handeln in Gedanken oder laut fluchend kommentiert wird. Würden Sie so auch auf das Handeln einer Freundin oder eines Freundes, Ihres Kindes, eines Kollegen oder Mitarbeitenden reagieren? Vermutlich nicht. Warum gehen Sie dann mit sich selbst so um? Wer hart mit sich ins Gericht geht, mindert auf Dauer nicht nur sein Selbstvertrauen, sondern auch sein Selbstwertgefühl. Stattdessen wächst die Überzeugung, bestimmten Aufgaben oder Herausforderungen nicht gewachsen zu sein. Das hemmt Ihre Zuversicht, blockiert Ihre Kreativität, schränkt Ihre Lernfähigkeit ein. Mangelnde Milde mit sich selbst und ein überhöhter Anspruch an die eigene Performance lösen also eine Kette negativer Folgen aus.

Verabschieden Sie sich von den Vergleichen mit anderen!

Der britische Philosoph Alain de Botton führt Unsicherheit und Unzufriedenheit mit sich selbst auf unsere Sehnsucht nach Liebe zurück. Bekommen wir von anderen Bestätigung und Lob, fühlen wir uns gut und liebenswert. Doch das führt bei vielen dazu, nach Perfektion zu streben und erhöht die Erwartungen an die eigene Performance. Selbstliebe und Mitgefühl für unsere schwachen Momente bleiben dabei auf der Strecke. Vorbehaltlose Akzeptanz der eigenen Fähigkeiten und Defizite bringt uns hingegen weiter, um Selbstwertgefühl aufzubauen und Gelassenheit zu wahren, wenn es mal wieder nicht so läuft wie erhofft. Der Schweizer Philosoph Alexandre Jollien rät von der Orientierung an anderen ab und bricht eine Lanze für den Weg der Selbsterkenntnis und Selbstliebe. „Milde Selbstliebe [ist] nicht vereinbar mit dem hasserfüllten Verurteilen der eigenen Schwächen.“ Ein Schlüssel zur Weiterentwicklung sei, „sich eine gewisse Arglosigkeit und Offenheit zu bewahren. Werde dir der eigenen Kraft bewusst und gehe damit um, ohne dich mit anderen zu vergleichen.“ Das Streben nach Vollkommenheit hingegen schüre ein permanentes Unbehagen.

Weiterlesen: Hören Sie auf, sich mit anderen zu vergleichen

Achtsamkeit und Akzeptanz statt Anklage und Abwertung

Ich möchte Sie ermutigen, verständnisvoller auf sich selbst zu schauen und ein gesundes Selbstmitgefühl zu entwickeln – nicht zu Verwechseln mit Selbstmitleid! Selbstmitgefühl bedeutet, freundlich und wohlwollend zu sich selbst zu sein. Bringen Sie Verständnis für Ihre Fehler auf, denn diese sind menschlich und bescheren Ihnen eine Lernerfahrung. Niemand ist perfekt.
Gehen Sie lösungsorientiert mit Ihrem Missgeschick um. Das erfordert Achtsamkeit und Akzeptanz statt Anklage und Abwertung. Das Selbstmitgefühl zu fördern, lohnt sich: Studien weisen nach, dass Menschen mit ausgeprägtem Selbstmitgefühl nicht nur voller Selbstvertrauen, sondern auch selbstwirksamer sind. Sie neigen seltener zu Suchtverhalten, sind zupackender, verantwortungsvoller und schlafen besser.

Selbstmitgefühl zu entwickeln und zu bewahren, heißt

  • sich immer wieder auch Zeit für sich selbst zu nehmen und in dieser Zeit den eigenen Bedürfnissen zu folgen.
  • dieselben Maßstäbe für den Umgang mit sich selbst anzulegen wie für den Umgang mit anderen.
  • nicht nach Vollkommenheit zu streben.
  • sich nicht für jede Unzulänglichkeit zu kritisieren.
  • sich zugestehen, auch Fehler machen zu dürfen.
  • sich selbst Respekt entgegenzubringen.
  • achtsam gegenüber sich selbst zu sein.
  • an die eigenen Möglichkeiten zur Weiterentwicklung zu glauben.
  • sich selbst im persönlichen Wachstum zu unterstützen.
  • nicht immer wieder über die eigenen Grenzen zu gehen im Streben nach mehr Leistungsvermögen.
  • sich vorbehaltlos selbst zu akzeptieren.
  • sich selbst gegenüber freundlich zu sein.
  • sich selbst wertzuschätzen.
Lesen Sie auch: Tipps Selbstwertschätzung: Nur wer sich selbst wertschätzen kann, kann andere wertschätzen

Magdalena Rogl, Diversity & Inclusion Lead bei Microsoft Deutschland, sagt: „Wir können unser Einfühlungsvermögen wie einen Muskel trainieren – und dabei sollten wir zuallererst üben, empathischer mit uns selbst zu sein. Denn Selbstmitgefühl kann uns selbstbewusster und vor allem glücklicher machen als Selbstdisziplin. Wir können die innere kritische Stimme, die uns in unseren Gedanken oft laut und grob begleitet, zum inneren Ratgeber machen.“ (Quelle: achtung.de) Für diesen Wandel ist Selbstmitgefühl der Schlüssel. Die US-amerikanische Psychologin Kristin Neff von der University of Texas fand heraus, dass Menschen mit einem ausgeprägten Selbstmitgefühl über mehr Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung verfügen – und es den meisten von uns dennoch leichter fällt, anderen statt uns selbst gegenüber mitfühlend und verständnisvoll zu sein. Wem jedoch ein achtsamer Umgang mit sich selbst gelingt, wer sein Verhalten mit Abstand und gesundem Realismus betrachtet, es analysiert und als Lernerfahrung annimmt, der kann mit diesem Umgang auch sein Umfeld beeinflussen, stellte Neff fest.
Führungskräfte können mit der entsprechenden Haltung demnach auch Mitarbeitende positiv beeinflussen, achtsamer zu werden.

Schließen Sie also Freundschaft mit Ihrem inneren Kritiker, aber nehmen Sie ihm die Macht über Ihren Blick auf sich selbst. Nicken Sie ihm innerlich zu, bedanken Sie sich für seinen Einwurf und dann machen Sie ihm klar: Ich habe deine Kritik zur Kenntnis genommen und weiß, dass du mir damit helfen willst. Doch ich stärke nun mein Selbstmitgefühl, schaue mir an, was zu meinem Fehler geführt hat und gehe das nächste Mal anders an die Sache heran. Das hilft mir weiter!

Weiterlesen: Wie überwindet man Selbstkritik

Durchbrechen Sie bei der nächsten Gelegenheit Ihr Reiz-Reaktionsschema, wenn Ihr innerer Kritiker wieder die Stimme erhebt: Statt zur üblichen Schimpftirade anzuheben, stellen Sie sich lieber vor, was ein guter Freund oder eine gute Freundin in der Situation sagen würde. Versuchen Sie, sich dieses Gegenüber mit allen Sinnen vorzustellen und dann sagen Sie laut zu sich selbst, was der oder die andere zu Ihnen gesagt hätte. Wetten, die harschen Worte verstummen schnell?

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen dabei. Seien Sie versichert: Sie sind wert-voll!

© Ihre Antje Heimsoeth

Verwendete Quellen:

Alain de Botton, „Statusangst“, Fischer Verlag, 2006.
Alexandre Jollien, „Liebe Philosophie, kannst du mir helfen?“, C. H. Beck, 2009.
https://achtung.de/news/magdalena-rogl-diversity-and-inclusion-lead-bei-microsoft-deutschland-plaediert-fuer-mehr-emotionen-und-empathie

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