Podcast: Mit mentaler Stärke durch die Corona Krise
Podcast: Mit mentaler Stärke durch die Corona Krise
17. April 2020
Podcast: Kinder und Jugendliche motivieren
Podcast: Kinder und Jugendliche motivieren
17. April 2020

Was bedeutet die Corona-Pandemie für unsere mentale Gesundheit?

Was bedeutet die Corona-Pandemie für mentale Gesundheit?

In Bayern ist das Verlassen der eigenen Wohnung nur noch aus triftigen Gründen erlaubt, wie der Weg zur Arbeit, zum Sport, zu Einkäufen, Reifenwechsel oder dringenden Arztbesuchen. Kitas, Kindergärten und Schulen sind geschlossen, Konzerte, Musicals und Theatervorstellungen abgesagt. Kurz: Das öffentliche Leben steht still.

Covid-19 löst Angst vor dem Virus, Angst vor anderen, Existenzängste, Panik und Unsicherheit, Anspannung und Aggression aus.
Ich finde es schlimm, dass Menschen, die in der Vergangenheit so viel Mut bewiesen haben etwas zu bewegen, jetzt durch diese Tragödie ihre Lebensgrundlage verlieren!
Für ganz viele Menschen ist diese Situation eben, was sie einfach ist: eine handfeste Krise mit noch nicht absehbaren Ende.

Die Krise bedeutet einen immensen Kraftakt und man darf nicht vergessen, dass jede und jeder von uns gerade einige Krisen gleichzeitig bewältigen muss: wirtschaftlich, soziale Kontakte, Ängste, wenig Planungsmöglichkeit, das ist schon echt existenziell.

Menschen sind soziale Wesen.

Der Begriff Social Distancing ist „daneben“. Es geht um einen Sicherheitsabstand und gerade nicht um soziale Ab-Aus-grenzung. Englische Schlagworte sind da wenig hilfreich. Der „soziale Abstand“ sollte sich eher verkürzen bei Erhöhung des physikalischen Abstands!

Selbstreflexion & Selbstbeobachtung

Wie viele Philosophen gesagt haben, um die Welt wirklich zu kennen, muss man sich zuerst selbst kennen. Um nur einen von ihnen zu zitieren:

Andere zu kennen zeugt von Intelligenz; sich selbst zu kennen zeugt von wahrer Weisheit. Laotse.

Viele von uns sind zu einer unfreiwilligen Pause gezwungen worden. Wir haben mehr Zeit für persönliche Reflexion – abseits vom Lärm und der Hektik der Welt. Die Krise bringt eine ruhigere Zeit mit sich, mehr Privatsphäre und mehr Stille. Wir haben jetzt die Möglichkeit darüber nachzudenken, wer wir wirklich sind – als Individuum und als Gesellschaft.

Viele Menschen scheuen aber die Selbstreflexion. Teils aus Ängsten vor der unangenehmen Wahrheit, vor Erkenntnissen und Erinnerungen, teils aus Unsicherheit, teils weil sie sich selbst nicht gut kennen. Selbstreflexion ist nicht immer angenehm und auch nicht einfach. Häufig wurde der Tag früher vollgepackt, um Selbstreflexion zu vermeiden. „Dies geht für viele Menschen jetzt nicht mehr, und das kann dann auch mit schmerzhaften Erkenntnissen einhergehen. Denn für gewöhnlich ist Selbstreflexion ein Ist-Soll-Vergleich, ein Abgleich zwischen dem realen Selbst und dem idealen Selbst. Wenn dieser Vergleich allzu negativ ausfällt, ist dies psychisch und affektiv sehr unangenehm (Reckwitz, 2018). Anders formuliert: Bei einigen Menschen war es durchaus eine Schutzfunktion, dass sie keine Zeit hatten, über sich selbst nachzudenken. Hingegen wird es aber durchaus auch Menschen geben, die jetzt Zeit für Selbstreflexion haben und aktiv dadurch ihre Persönlichkeit entwickeln können (Roth, 2015).“ (Institut für Kommunikation und Gesellschaft)

Wir lernen in der Krise, was wirklich wichtig ist und was nicht. Vielleicht können wir uns eine Welt vorstellen, in der wir nicht nur endlose Meetings haben, die wachsenden Ungleichheiten beklagen und die Notwendigkeit eines Klimawandels diskutieren, sondern stattdessen etwas dagegen unternehmen?

Was hast du für dich in dieser Zeit entdeckt: Welche Bereiche oder Dinge deines Lebens sind nicht so wichtig? Welche wesentlichen Dinge, die du vergessen hattest, hast du wiederentdeckt?
Wo möchtest du eine Veränderung bewirken?

Was macht die Krise mit unserer Psyche

Ein bewusster Umgang mit dieser gigantischen Krise hilft, die Situation zu akzeptieren: Was geschehen ist, ist geschehen, es lässt sich nicht ändern. Es ist so, wie es ist. Dadurch werden Gedanken wieder frei und Angst kann sich vermindern. Eine Krise löst oftmals Hilflosigkeit, Panik-Gefühle, Unsicherheit, Einsamkeit, Stress und Verlust der Handlungsfähigkeit aus, wir fühlen uns ohnmächtig. Diese Symptome kennen wir aus depressiven Erkrankungsbildern, Depressionen und Angst- und Suchterkrankungen. Die vor der Krise aufgebaute mentale und emotionale Stabilität und Fähigkeiten – wie zum Beispiel das Aufschreiben von Bedürfnissen, Werten, Erfolgen, Zielen, Glücksmomenten und positiven Gefühle der Dankbarkeit, kann uns auch in einer Krise als Schutz dienen.

Kinder vermissen Bewegung, langweilen sich, vermissen ihre Freunde, sind wütend auf die Mutter, haben Angst, dass die Mutter jemand treffen könnte, der Corona hat, leiden unter dem Stress der Eltern.

Tipps

Angst ist kein Tabu

Es gibt keine allgemeine Lösung für Ängste.
Angst ist eine normale Grundemotion.
Angst kann man vielleicht trösten, aber nicht widerlegen. Angst kennt kein „Aber“.
Ich nehme meine Angst an, solange sie mich nicht lähmt.

Soziale Beziehungen sind unser Lebenselixier.

Aufgrund der Ausgangsbeschränkung und Anordnungen von social distancing wird unser Bedürfnis nach Nähe, Bindung und sozialem Austausch gestört. Umso wichtiger ist es, dass wir uns mit Mitmenschen, Freunden und Großeltern austauschen.  Soziales Miteinander – wenn derzeit auch nicht unmittelbar face-to-face, aber über die digitalen Medien (Facetime, WhatsApp, Skype) – beeinflusst das Immunsystem positiv. Es ist wichtig, in Kontakt zu bleiben und sich nicht abzuschotten.

Routine und Rituale

Die bisherige Tagesstruktur fällt weg. Rituale sind hilfreich, denn sie geben unserem Tagesablauf eine Struktur und Stabilität. Darum ist es in unseren Alltag hilfreich, Routine und Rituale zu entwickeln.
Beispiele:

  • Zwei Stunden für mich alleine für Sport, lesen, Yoga und denken.
  • Sich ankleiden, als würde man ins Büro gehen. Tragen Sie feste Schuhe.
  • „Ein Bekannter, auch er arbeitet von zu Hause aus, spielt seinem Kopf jeden Morgen einen kleinen Streich. Er wacht mit seiner Freundin auf, sie frühstücken zusammen, und wenn sie zur Arbeit gehen muss, geht er mit aus dem Haus. Er kehrt allerdings an der nächsten Ecke beim Bäcker ein, trinkt einen Espresso und geht dann zurück in die Wohnung, um dort seinen Arbeitstag zu beginnen.“ (jetzt 15.03.2020)
  • Alle 1.5 – 2 Stunden 1.5 – 2 minütige Pausen einplanen.
  • Ein gemeinsames Aufstehen und Frühstück.
  • Gemeinsames Mittagessen in der Küche ohne Handys und Störungen von außen.
  • Regelmäßige Bewegung
  • Gemeinsames Musizieren
  • Gemeinsames Filmeschauen
  • Ritual vor dem Schlafengehen, z.B. eine Tasse Kräutertee trinken, um für guten Schlaf zu sorgen.
  • Ritual zum Abschalten, z.B. Aufräumen des Schreibtisches oder / und ein Spaziergang

Haben Sie schon einmal überlegt, ob und welche bewussten oder unbewussten Rituale Sie persönlich haben und Ihnen wichtig sind?

Lesen Sie auch: Mindset Morgenrituale
Hören Sie auch den Podcast „Wie bleibe ich im Home-Office in Zeiten von Corona in einem gelassenen, kreativen Zustand

Umgang mit Information

Unterschätzen wir mittlerweile nicht das Internet?
Wie unterscheiden wir im Netz von richtig und falsch, Wahrheit und Lüge?
Durch unsere Erfahrung? Unser Wissen, welches wir uns in anderen Artikeln im Internet angeeignet haben?
Die Schwierigkeit in all dem übertrifft zumindest meine Vorstellungskraft.

Auch ich habe Zweifel und hinterfrage, auch wenn eine Diskussion über die unterschiedlichen Meinungen/ Möglichkeiten in der breiten Masse nicht gewünscht ist. Ich will hier gerade auch gar nicht bewerten, was falsch und richtig ist. Ich finde es aber bedrückend, zu sehen, wie die breite Masse ohne eine Diskussion zuzulassen, sich mit Grundrechtseinschränkungen einverstanden erklärt und sogar nach mehr Einschränkungen ruft. Auch wenn diese Maßnahmen vielleicht richtig sind, würde ich mir eine offenere Diskussion wünschen.

Lesen Sie auch: Offene Diskussionen, Hinterfragen und Zweifel äußern – auch in der Krise

Medienkonsum

Eine Möglichkeit, sich mental zu schützen, ist, „den Medienkonsum zu begrenzen, wo wir Schreckensnachrichten hören und belastende Bilder sehen. Nach dem 11. September ergab eine Studie mit mehr als 2000 Personen in ganz USA, dass über 4 Prozent dieser Stichprobe eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelte. Je länger jemand vor dem Fernseher gesessen hat, desto größer das Risiko. Wenn ich jetzt an die Fernsehbilder der Leichenwagen aus Italien oder New York denke, sind das auch traumatisierende Bilder. Auch hier gibt es individuelle Unterschiede. Einige können schlecht schlafen oder es bedrückt sie. Andere sehen es viel gelassener.“ (Business Insider v. 05. April 2020)

Sich und anderen Gutes tun

Es hilft, ganz bewusst und regelmäßig gute Dinge für sich und andere zu planen. Die Möglichkeiten sind endlos:

  • Postkarten und Briefe schreiben,
  • den Nachbarn eine Überraschung vor die Türe legen, zum Beispiel ein Osterkorb
  • Lesen Sie ein schönes Buch zu Ende.
  • Konzentrieren Sie sich auf die kleinen Dinge. Let us rejoice in the little things and the moments that make our lives more beautiful.
  • Checken Sie Ihre Lebensgewohnheiten.
  • Affirmation: „Schön, dass ich lebe und auf der Welt bin.“
  • Sich wirklich selbst wertschätzen.
    Hand aufs Herz: Wie steht es um Ihr Selbstwertgefühl? Wie zufrieden sind Sie mit sich? Bekommen Sie genug Anerkennung? Wann haben Sie sich zuletzt wertschätzend verhalten? Und woran machen Sie Wertschätzung fest? Was sind Sie sich selbst wert?
Lesen Sie auch: Sich selbst wertschätzen – heute schon gemacht?
  • Ein Bad nehmen,
  • Musik hören,
  • besser auf unsere Ernährung achten,
  • sich in Achtsamkeit üben,
  • einen Filmklassiker anschauen.
  • Genieße den Sonnenschein! Enjoy the sunshine!
  • Laugh a lot and enjoy the moment.
  • Believe in yourself and live your dreams.
  • Be brave and follow your heart.
  • Do what makes you happy.
  • Manchmal wünschen wir uns, dass die Menschen um uns herum, Chefs, Bekannte oder Partner aufmerksamer sind. Dass diese öfters fragen „ Wie geht es dir?“, uns loben, einen Blumenstrauß mitbringen und uns zuhören. Nachvollziehbar.
    Öffne die Augen für die schöne Natur, das Blau des Himmels, die Sonne, die sich im Wasser spiegelt, die Knospen und Blüten – auch das sind Geschenke. Unser Leben ist reich, wenn wir das sehen können und für solche Momente glücklich und dankbar sind.
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Sich Gutes tun schüttet Glückshormone wie Adrenalin, Endorphin aus und stärkt die Serotoninproduktion.

Ich wünsche mir für die Zeit nach der Corona Krise, dass wir aufhören, unsere Gesundheit und unsere Beziehungen zu vernachlässigen, indem wir so unermüdlich nach Erfolg streben.
In jedem von uns ist ein Ort der Weisheit, des Friedens und der Stärke. Wir dürfen uns wieder damit verbinden!

Literatur

Roth, G. (2015). Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten. Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern. Stuttgart: Klett-Cotta.

Reckwitz, A. (2018). Die Gesellschaft der Singularitäten. Berlin: Suhrkamp Verlag.

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