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Kinder mental stärken: Vom Umgang mit Motivation

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Kleinere Kinder begeistern sich laufend für etwas – sie sind sofort hochmotiviert, sobald ihnen etwas Spaß macht. Lernen gelingt ihnen spielerisch. Ab dem Grundschulalter ändert sich etwas – und Eltern meinen oft, sie müssten ihre Kinder ab sofort motivieren, etwa zum Hausaufgabenmachen.
Der deutsche Gehirnforscher Prof. Dr. Manfred Spitzer kritisiert in diesem Zusammenhang die scharfe Trennung von „Kindergarten = Spielen“ und „Schule = Lernen“. Wenn Spielen und Lernen, so wie im frühen Kindesalter, nicht kategorisch getrennt würden, könnten so manche Lernprobleme vermieden werden.

Wenn Eltern mitbekommen, dass ihr Sohn oder ihre Tochter sich scheinbar treiben lassen, reagieren sie oft gereizt („Sitzt du wieder nur herum, du kannst doch nicht ständig Comics lesen, hast du schon für Mathe gelernt?“) oder appellieren an die Vernunft ihres Kindes: „Du vergeudest doch dein Talent, es geht schließlich um deine Zukunft!“. Oder sie versuchen, die Motivation zu wecken, indem sie ein schlechtes Gewissen machen: „Wir haben so viel investiert für deinen Klavierunterricht …“

Dabei ist die Annahme, man könne jemanden motivieren, irreführend. Äußere Motivation wirkt immer nur kurzfristig – am wichtigsten ist, denken wir noch einmal an das kleine Kind, das Laufen lernt – die innere Motivation.

Ein Beispiel hierfür ist die Schule: Jedes Kind hat ungeliebte Schulfächer, zum Beispiel Mathematik. Oft fehlt die Lust aufs Lernen, weil die Erfolge ausbleiben – und dies ist der Fall, wenn der Stoff einfach nicht in Zusammenhang mit dem eigenen Leben gebracht werden kann, wenn der Sinn fehlt, warum Mathe wichtig ist und sogar Spaß machen kann.

„Wie sehr viele andere Fähigkeiten und Fertigkeiten ist mathematisches Können eine Funktion von Begabung und von Übung. Man kann zeigen, dass es vor allem das freiwillige und durch die Sache selbst motivierte Üben ist, das uns auch in der Mathematik weiterbringt. (…)  Gerade in der Mathematik ist also die viel zitierte Vernetzung der zu lernenden Inhalte von größter Bedeutung.“ (Spitzer, 2006, S. 274 f.) Lehrer, die vermitteln können, wozu auch nicht so beliebte Unterrichtsfächer im Leben gut sein können, wecken bei Kindern die Lust aufs Entdecken und aus eigenem Antrieb zu lernen. 

Intrinsische und extrinsische Motivation

Motivation hängt vom subjektiven Erleben und Empfinden ab. Machen wir positive Erfahrungen wie das erfolgreiche Erreichen eines Ziels, setzt der Körper Dopamin und Endorphine (Glückshormone) frei. Auf neuronaler Ebene werden so Synapsen (Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen) gebildet und verstärkt.

Es gibt innere Motivatoren (intrinsische) und äußere (extrinsische), intrinsische Motivation und extrinsische Motivation. Welche von beiden leistungsförderlicher ist, kann ich abschließend nicht sagen – darüber ist sich selbst die Wissenschaft nicht einig. Hier geht man teilweise davon aus, dass extrinsische Motivation (z.B. Belohnung mit Geld) die intrinsische Motivation korrumpiert, d.h. zunichte macht, jedoch gibt es dazu auch Gegenstimmen (vgl. dazu Falko Rheinberg, Universität Potsdam, 2004, S. 17).(4)

Intrinsische Motivation:

„Der Begriff intrinsische Motivation bezeichnet das Bestreben, etwas um seiner selbst willen zu tun (weil es einfach Spaß macht, Interessen befriedigt oder eine Herausforderung darstellt).“ (www.wikipedia.org/wiki/Motivation)

Die Motivation, die von innen kommt, ist die Leidenschaft für eine Sache. Man tut etwas von sich aus, von innen heraus. Man will Dinge erreichen. Weil es Spaß macht, interessant ist oder herausfordernd. Intrinsische Motive können Lust am Tun an sich sein – solche Kinder tun einfach -, das Interesse an Inhalten, Erleben von Kompetenz, Wissbegierde, der Drang etwas zu Vollenden und Neugier.

Ein inneres Motiv ist inhaltlich auch nicht immer positiv, so können auch Neid, „denen zeige ich´s“ oder Wut innere Antreiber sein!

Innere Motivation ist schwerer zu erzeugen als extrinsische, man kann sie nur ermöglichen.

Den inneren Antrieb kann einem keiner aufzwingen. Das gilt besonders für Eltern, die ihre Kinder gerne früh fördern möchten und entsprechend hohe Erwartungen haben. In der frühen Kindheit schadet es eher, wenn Eltern zu sehr wünschen, dass aus ihren Kindern etwas wird – ob es um Instrumente, Sport oder eine fremde Sprache geht.

Extrinsische Motivation

Im Vordergrund steht der Wunsch, eine Leistung wegen gewisser Anreize, Vergünstigungen und Vorteile (z.B. Belohnung, besonderes Essen, Zusatzpunkte, entspanntes Bad, Kinobesuch, Smiley, spontaner Ausflug, verbale Anerkennung, nonverbales positives Feedback, gute Leistungsnachweise) zu erbringen oder etwas nicht zu tun, weil man negative Konsequenzen (z.B. schlechte Note) und Nachteile (z.B. Bestrafung) vermeiden will. Treibende Kraft kann eine Prämie, ein Pokal sein, Geld, Lob und Anerkennung durch andere, Prestige, Status. Motivation kann auch von anderen ausgehen (soziale Motive), z.B. als Gruppengefühl oder Wettbewerb. Motivierend kann dann sein, eine Aufgabe gemeinsam mit anderen zu bewältigen oder besser als andere zu sein.(5)

Die Vorteile extrinsischer Motivation liegen klar auf der Hand: Man bekommt etwas von der Umwelt, wenn man Leistung zeigt bzw. man kommt um eine Strafe herum, wenn man eine Handlung vermeidet. Gute Noten, Materielles wie ein Pokal oder Geld, Ideelles wie Lob, Anerkennung, Prestige, spornt zunächst an. Vor allem wenn das erhoffte positive Ergebnis eintritt (positive Verstärkung). Äußere Anreize sind gezielt einsetzbar, verlangen effiziente Strategien und disziplinieren (zumindest bis zum Erreichen des Ziels!).

Oft verdrängen äußere Anreize aber den ursprünglichen inneren Antrieb.

Teils kommt es sogar zu einem Rückgang der Anstrengungen, wenn ein gewisser Gewöhnungseffekt eintritt. Die Belohnung steht dann stärker im Vordergrund als z.B. der Sport selbst.

Die Motivation, die von innen kommt, ist eine Leidenschaft für eine Sache. Die Motivation, die von außen kommt, ist die Wertschätzung anderer Menschen für das, was man tut, und die Aussicht auf eine gute Zukunft. Beide Arten der Motivation sind wichtig, weil sie sich gegenseitig anstecken können“, sagt Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn (Kahn, 2010, S. 112). 

Jungs „ticken“ anders

Jungen entwickeln sich typischerweise im Einschulungsalter etwas langsamer als Mädchen – sie sind im Unterricht oft hibbeliger, die klassischen „Störenfriede“ oder „Klassenkasper“. Das liegt aber vor allem daran, dass ihre Grobmotorik schon stärker ausgeprägt ist und sie einfach den natürlichen Drang haben, in Bewegung zu sein. In der Schule ist dieses Verhalten allerdings unerwünscht und bringt Probleme für die Kinder mit sich, die im Prinzip nichts dafür können!

Motivierend fürs Lernen oder neue Motivation, um still sitzen zu können, geht hier oft nur über den Umweg der Bewegung – z.B. Bewegungsangebote für zwischendurch in der Schule. Erst Bewegung und Toben draußen, bevor es an die Hausaufgaben geht usw.(6)

Steigerung der intrinsischen Motivation  

  • Bei Lerninhalten dürfen persönliche Interessenschwerpunkte selbst gewählt werden.
  • Origineller, humorvoller, evtl. auch provokativer Einsatz von Materialien und Medien.
    Mitreißender Unterricht.
  • Beteiligung an Lösungssuche, Diskussionen.
  • Anregende Lernumgebung, Mitgestalten dieser Umgebung. Sollte menschlichen Grundbedürfnissen Rechnung tragen und positiv erlebt werden (z.B. ausreichend Platz, eine angenehme Raumtemperatur, evtl. Farbe an den Wänden, Tageslicht, gute Stühle, frische Luft, viel Sauerstoff im Raum).

Steigerung der extrinsischen Motivation

  • Wohl dosiertes, aufrichtiges Lob, wenn es angebracht ist: nicht zu oft und nicht zu selten. Für Dinge, die eine Herausforderung waren und die das Kind selbst beeinflussen kann.
  • Einteilung der Aufgaben in übersichtliche (Arbeits-)Schritte, die nach Abschluss je nach Anforderungsgrad belohnt werden. Kinder stehen so nicht „vor einem Berg von Stoff“, sondern erkennen konkrete, bewältigbare Teilaufgaben.
  • Feedback: Dass tatsächlich eine Steigerung des Könnens/Wissens/Kenntnisstands und Leistungsniveaus erreicht wurde.

Literatur/Quelle:

Weiterlesen: „Mein Kind stark machen: Mentaltraining für Schule, Sport und Freizeit“. pietsch.

Mein Kind stark machen: Mentaltraining für Schule, Sport und Freizeit

(1) Heinzmann, Stefanie, in: Berufswahlmagazin der Bundesagentur für Arbeit, Ausgabe 06/2009

(2) Focus Schule, 1/2012, S. 14

(3) http://www.gp.tu-berlin.de/sozpaedpsy/download/schuelereigenschaften/motivation.pdf

(4) nach: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MOTIVATION/Lernmotivation.shtml

(5) Sueddeutschede/wissen/motivation-von-kinder-loben-lernen-1.3831

(6) http://www.elternwissen.com/erziehung-entwicklung/pubertaet-und-erziehung/art/tipp/tipps-fuer-mehr-motivation-in-der-pubertaet.html

(7) http://tirol.owr.at/uploads/Sportpsychologie%20Draxler%202005.pdf

 

Hier können Sie sich das Inhaltsverzeichnis des Buchs „Mein Kind stark machen“ herunterladen >>

 

Ausbildungen & Co.

► Zertifizierte Ausbildung zum Kinder- und Jugend Mental Coach: https://www.heimsoeth-academy.com/mental/ausbildung-kinder-und-jugendcoach-2/
► Ausbildung zum Mental Coach: https://www.heimsoeth-academy.com/mental/ausbildung-zum-mental-coach-modular/

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