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Kinder mental stärken: Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen

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Begriffsklärung Selbstvertrauen
www.wissen.de:Selbst|vertrauen:
„Vertrauen zur eigenen Kraft, zu den eigenen Fähigkeiten“
Das Psychologische Wörterbuch von Häcker und Stapf (2004, S. 851) unterscheidet Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein.
Selbstvertrauen wird definiert als: „Ein auf kräfti­ges Eigenmachtgefühl gegründetes Gefühl, mit möglichen Schwierigkeiten fertig zu wer­den.“

Selbstwert, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen sind Begriffe, die oft in einem Atemzug genannt werden. Tatsächlich braucht es erst mal ein Sich-seiner-Selbst-Bewusst-Werden und Vertrauen in uns selbst, um über einen stabilen Selbstwert verfügen zu können. Man spricht auch vom Selbst-Konzept, das sich im Laufe der Kindheit aufbaut und im Zuge dessen sich der Selbstwert entwickelt –  dies geschieht in den ersten sechs Lebensjahren (Quelle: http://www.psychotipps.com/Selbstvertrauen_Kinder.html), während der das kindliche Selbstwertgefühl vor allem durch die Eltern geprägt wird. So ist das Selbst-Konzept in der frühen Kindheit noch unrealistisch positiv, es gibt keinen Unterschied zwischen „sein sollen“ und „sein wollen“. Nach den Erziehern im Kindergarten kommt ab dem Schuleintritt der Einfluss der Lehrer hinzu. In der mittleren Kindheit, wenn soziale Kontakte zu Gleichaltrigen wichtiger werden, bekommt das Kind erste Rückmeldungen von Freunden und Mitschülern, die der Selbstwertentwicklung zu- oder abträglich sind. (Kranz, 2010)
Quelle:  www.familienhandbuch.de

Festhalten lässt sich, dass das Selbstwertgefühl eine „fließende Erfahrung“ (Nelsen, 2006) ist: Mal fühlen wir uns gut in unserer Haut, dann gibt es wieder Zeiten, in denen wir uns nicht so gut fühlen. Dass es solche und solche Zeiten gibt, und wie man nach einer schlechten Erfahrung wieder aufsteht, müssen Erwachsene Kindern zeigen, es ihnen vorleben (4).

Kinder mit einem positiven Selbstwertgefühl sprechen und handeln mit der Grundüberzeugung,

Lebensaufgaben bewältigen zu können, Konflikte lösen und meistern zu können. Je positiver ihr Selbstwertgefühl und damit das Selbstvertrauen, umso erfolgreicher und besser können Kinder mit anderen Menschen, den Problemen und dem Leben umgehen, verhalten sich sozial angemessen, entwickeln sich zu stabilen Persönlichkeiten. Kinder mit geringem Selbstwertgefühl haben die Grundüberzeugung, dass sie mit den auf sie zukommenden Situationen und mit bestimmten Aufgaben nicht zurechtkommen und sie nicht bewältigen können. Sie geben schneller auf oder fangen mit einer Aufgabe gar nicht erst an. Ihre Gedanken kreisen darum, was andere von ihnen denken mögen. Sie sind sehr kritisch mit sich selbst. 

Zusammenhänge von Selbstvertrauen, Leistung und Selbstbild
Ursachen eines geringen Selbstwertgefühls und geringer Selbstachtung

Kleine Kinder sind noch sehr abhängig von den Erwachsenen und nehmen, ohne sie kritisch hinterfragen oder überprüfen zu können, Kritik der Erwachsenen bezüglich Fehlern oder vermeintlichen Schwächen an. Erst sind die Eltern die erste Instanz zur Beurteilung, ob das Kind etwas gut oder schlecht gemacht hat, später übernimmt das Kind diese Bewertungen selbst: „Das kann man doch so nicht machen“, „das gehört sich nicht!“, „wie kann man nur so dämlich sein…“ Ständige Äußerungen dieser Art lassen im Kind die Überzeugung reifen, es sei nicht in Ordnung. Bestrafungen („eine Woche keine Freunde besuchen“) und Liebesentzug („weil du … musst du heute selbst ins Bett gehen, es gibt kein Küsschen“) verstärken das gering gehaltene Selbstwertgefühl des Kindes. Als Jugendliche und Erwachsene übernehmen sie die Bestrafung selbst, um ihr Verhalten zu korrigieren. Erwachsene gehen meist so mit sich um, wie ihre Eltern mit ihnen umgegangen sind. Wer kein positives Selbstbild und ein stabiles Selbstwertgefühl aufbauen konnte, fühlt sich minderwertig und unzulänglich und wird vielleicht sein Leben lang versuchen, diese Gefühle zu kompensieren, oder zu einer Person zu werden, die von anderen endlich akzeptiert wird. (5)

Selbstvertrauen als Schlüssel für bessere Leistungen

Mütter und Väter investieren häufig bereitwillig und viel in die musikalische und sportliche Ausbildung ihrer Kinder. Oft kommt es vor, dass Eltern lieber den Wechsel des Musiklehrers oder gar des Instruments bezahlen, oder eine ganz neue Sportausrüstung kaufen, noch teurere Markenturnschuhe erwerben und in Nachhilfe investieren, wenn es nicht so läuft wie gewünscht – meistens aber liegt das nicht am Lehrer, am Instrument oder am Material. Sondern am mangelnden Selbstvertrauen der Kinder (und am mangelnden Vertrauen der Eltern in diese!).

Ich werde in den Seminaren immer wieder gefragt, ob zu viel Selbstbewusstsein nicht schnell in Arroganz umschlägt. Es gibt kein Zuviel an Selbstvertrauen und Selbstbewusst-Sein. Ich hatte in meinen vielen Berufsjahren noch keinen solchen Klienten oder Jugendlichen. Die meisten Menschen, die ich begleite, haben eher zu wenig Selbstvertrauen. Und dann reagiert man unter Druck natürlich ganz anders.
Der Alltag von Kindern und Jugendlichen unterliegt zahlreichen Einflüssen, die sich negativ auf ihr Selbstbild auswirken können. Mental gestärkt sind Kinder jedoch „resistenter“ dagegen. Kinder, deren Selbstvertrauen gut ausgeprägt ist, sehen die Ursache für Erfolge eher bei sich und sind auch aufnahmefähiger für konstruktive Kritik, wenn etwas nicht gut lief. Kinder mit niedrig ausgeprägtem Selbstvertrauen neigen eher dazu, andere für ihre Fehler (und Erfolge) verantwortlich zu machen.

„Selbstwertgefühl entsteht, wenn ein Kind seine Eigenschaften und Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen einschätzt und bewertet. Das Selbstwertgefühl ist ein Maßstab dafür, wie ein Kind sich selbst mit all seinen Stärken und Schwächen annimmt und wertschätzt. Hier spielen affektive Faktoren eine weitaus bedeutendere Rolle als kognitive. Das Kind überträgt frühe soziale Erfahrungen in ein Grundgefühl von Stolz oder Scham. Dies legt die Basis des Selbstwertgefühls und entscheidet darüber, wie wertvoll es sich fühlt, wie optimistisch und selbstvertrauend es den alltäglichen Anforderungen entgegentritt. (…)  Viele Untersuchungen belegen, dass ein hoher Selbstwert wesentlich für unsere sozialen Beziehungen und unsere psychische Gesundheit ist.“ (Sit, 2012, S. 88f.)

Tipp: Das Erfolgstagebuch stärkt die Wahrnehmung kleiner oder größerer Erfolge und kleinerer und größerer Fortschritte. Diese Methode fördert das Selbstbewusstsein, Zuversicht und Motivation des Kindes und macht gute Laune. Das Erfolgstagebuch hilft über Durststrecken und Stimmungstiefs hinweg.

Die Familie als erste Quelle von Selbstwert

Vermögen, elterliche Bildung, Wohnort, Schichtzugehörigkeit, die Berufe der Eltern und ob die Mutter berufstätig sei, so Branden, hätten keinen nennenswerten Einfluss auf den Selbstwert des Kindes (ebenda, S. 194, nach Coppersmith, 1967).
Was dagegen eine Rolle spiele:

  • Die Qualität der sozialen Beziehungen.
  • Wie Eltern ihr Kind als Persönlichkeit mit seinen Gedanken und Gefühlen annehmen.
  • Wie sie es respektierten,
  • in seiner Würde als Mensch achten,
  • ihm Grenzen setzen,
  • hohe Maßstäbe und Erwartungen an Verhalten und Leistung setzen,
  • bei gleichzeitiger Förderung der Seiten des Kindes,
  • sich selbst wertschätzen.

Dr. Branden selbst sieht das Selbstwertgefühl begründet auf sechs Säulen:

  1. Bewusst leben („Das tue ich, weil …)
  2. Sich selbst annehmen
  3. Eigenverantwortlich leben (Verantwortung für Erfolg und Misserfolg übernehmen)
  4. Selbstsicheres Behaupten der eigenen Person
  5. Zielgerichtet leben (Was will ich?)
  6. Persönliche Integrität (authentisch sein, sich selbst treu sein)

Vorbild sein

Eltern, die sich selbstbewusste, glückliche und selbstständige Kinder wünschen, müssen bei sich selbst anfangen. Wer z.B. im Alltag ständig die eigenen Bedürfnisse übergeht, lebt Kindern vor: ich bin es nicht wert, dass ich etwas für mich tue. Grundsätzlich sind die Bedürfnisse von Erwachsenen und Kindern ähnlich: Schlaf, Entspannung, körperliche Bewegung, Vertrauen, Geborgenheit, (emotionale) Sicherheit und Zugehörigkeit, Liebe, Freizeit, Spaß, Freundschaften, Erfolg und Anerkennung, Sinnhaftigkeit des Tuns.

Liebe zeigen

Kinder sollten daheim jeden Tag die positive, stärkende Erfahrung machen, dass sie geliebt werden. Sie müssen dies hören, sehen und fühlen können – durch Worte und Taten: z.B. indem Eltern sagen „es ist schön, dass du da bist“ und sie herzlich umarmen, knuddeln, mit ihnen kuscheln, ihnen Wärme geben, sie anlächeln, mit ihnen lachen oder ihnen liebevoll über die Haare streichen.
Kinder dürfen auch sehen, dass sich andere lieben; etwa die eigenen Eltern.

Teil 2 folgt nächste Woche: Weitere Tipps für Eltern, um  Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen ihrer Kinder zu stärken 

Literaturliste

  • Häcker, Hartmut; Stapf, Kurt-Herrmann: Psychologisches Wörterbuch, 2004, Huber Verlag, Bern
  • Antje Heimsoeth. Mein Kind stark machen. Mentaltraining für Schule, Sport und Leben. pietsch, 2013.
  • Sit, Michaela: Sicher, stark und mutig. Kinder lernen Resilienz, 2012, Kreuz Verlag, Freiburg
  • Branden, Nathaniel: Die 6 Säulen des Selbstwertgefühls. Erfolgreich und zufrieden durch ein starkes Selbst, 2. Aufl. 2011, Piper, München

Ausbildungen & Co.

► Zertifizierte Ausbildung zum Kinder- und Jugend Mental Coach: https://www.heimsoeth-academy.com/mental/ausbildung-kinder-und-jugendcoach-2/
► Ausbildung zum Mental Coach: https://www.heimsoeth-academy.com/mental/ausbildung-zum-mental-coach-modular/

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