
Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz
16. Januar 2026
Mentale Stärke aufbauen & Denkweisen
19. Januar 2026Mentale Reset-Techniken im Sport: So nutzt du Mikropausen für Fokus, Ruhe und Kontrolle I Sportmentaltraining
Jedes Spiel hat kleine Pausen – Momente zwischen den Spielzügen, die oft unbemerkt bleiben.
Mikropausen in verschiedenen Sportarten
Fußball: Vor dem Ausführen eines Strafstoßes, Freistoßes oder Eckballs, während einer kurzen Spielunterbrechung (z. B. Foul, Einwurf, Abseits), wenn der Ball im Aus ist und man auf den Einwurf wartet, während einer Behandlungspause, beim Positionswechsel nach einem eigenen oder gegnerischen Tor.
Tennis: Zwischen zwei Aufschlägen oder Ballwechseln, beim Seitenwechsel, Abwischen mit dem Handtuch, während der/die Gegner*in sich zum Aufschlag vorbereitet.
Handball: Vor einem 7-Meter-Wurf, während einer kurzen Unterbrechung durch Foul oder Freiwurf, wenn der Ball kurz aus dem Spiel ist, zwischen Angriff und Rückzug in die Abwehr.
Volleyball: Vor dem Aufschlag, nach einem Punktgewinn oder -verlust, während die Teams sich neu formieren. Während der Ball an den Schiedsrichter oder zum Gegner geht.
Allgemein (für fast jede Sportart gültig): Immer wenn du stehst und wartest, bevor du wieder aktiv wirst. Wenn der Schiedsrichter unterbricht. Wenn der Ball oder das Spielgerät kurz aus dem Spiel ist. Kurz nach einem Fehler, um sich zu resetten. Vor einem wichtigen Moment (z.B. Serve, Wurf, Sprung, Startsignal)
Mentale Intensität in den kleinen Momenten
Diese Mikropausen im Spiel sind mental oft viel intensiver, als sie von außen aussehen. Was in diesen Momenten innerlich passiert, entscheidet häufig, wie die nächste Aktion gelingt.
Die Spielpause, und dann bricht plötzlich alles über uns herein: der Schmerz in den Beinen, die Frustration über den Gegner, die Ablenkung durch ein Gespräch mit dem Trainer vor dem Spiel oder eine Bewertung des bisherigen Spielverlaufs.
Wenn Gedanken übernehmen: Die innere Spielunterbrechung
Gedanken laufen oft unkontrolliert und sind emotional gefärbt: „Ich darf das jetzt nicht versemmeln.“ „Alle schauen zu.“ „Was, wenn ich wieder daneben schieße?“ „Der Gegner ist besser als ich.“ „Ich spüre mein Herz so stark – Mist, ich bin nervös.“
Diese Gedanken lösen innere Unruhe, Selbstzweifel oder Druck aus → der Fokus wandert weg von der Aufgabe, hin zu Bewertung und Angst.
Statt der Ablenkung ist dies der Moment zum Durchatmen, zum Entspannen und zum Fokussieren auf den gegenwärtigen Moment. Zurück zu Ihrem Ziel für den Wettkampf und zur Bewältigung der nächsten Aufgabe.
Mentaler Zustand
Sportler müssen lernen, diese Pause bewusst zu nutzen. Sie richten die Aufmerksamkeit gezielt:
- Auf den Atem („Ich atme ruhig – und lasse (Anspannung, Druck) los.“)
- Auf den Moment („Hier und jetzt.“)
- Auf den Ablauf („Ritual, Bewegung, Zielbild.“)
- Auf mentale Stärke oder Zuversicht („Ich kann das – wie im Training.“)
→ Emotionen werden wahrgenommen, aber nicht bewertet.
→ Typisches Gefühl: „Ich bin ruhig, wach und bereit.“
Reset-Methode: Kurz einatmen, doppelt so lange ausatmen
Eine einfache und wirkungsvolle Methode, um wieder in die Gegenwart zu kommen, ist die Atmung.
Versuch Folgendes:
- Atme 3 – 4 Sekunden lang durch die Nase ein.
- Atme 7 – 8 Sekunden lang langsam durch den Mund aus.
So richtest du deinen Fokus neu aus.
Tiefes Atmen in Spiel-, Wettkampfpausen hilft,
- Stress abzubauen,
- Konzentration zu bündeln,
- den Körper zu regulieren und
- die mentale Kontrolle in Drucksituationen zu behalten.
Mini-Ritual für kurze Spielpausen
Ziel: „Kopf“ und Körper auf die nächste Aktion ausrichten.
Dauer: Ca. 10 – 30 Sekunden – perfekt zwischen zwei Aktionen oder vor wichtigen Momenten (Strafstoß, Freiwurf, Aufschlag etc.)
- Wahrnehmen
→ Stoppe kurz.
Spüre: „Wo bin ich gerade?“
Körperhaltung bewusst wahrnehmen (stehen, atmen, Blickrichtung)
Gedanken kurz beobachten, ohne sie zu bewerten
Gedanke: „Ich bin hier. Nächste Aktion / nächster Schlag zählt.“ Oder „Jetzt zählt’s.“ - Atmen
→ Tief in den Bauch einatmen (durch die Nase, ca. 3 – 4 Sekunden)
→ Langsam durch den Mund ausatmen (ca. 7 – 8 Sekunden)
Wenn möglich: Hand kurz auf den Bauch legen, um die Atmung zu spüren. Ruhe kommt mit der Ausatmung.
Effekt: Herzfrequenz sinkt leicht, das Nervensystem beruhigt sich, der Körper entspannt.
- Fokussieren
→ Einen kurzen Satz oder ein mentales Schlüsselwort denken oder leise sagen, z. B.
„Jetzt.“
„Klar und ruhig.“
„Ich vertraue meinem Körper.“
„Ruhe. Ziel. Schuss.“ (im Fußball)
Dieser kurze mentale Reiz lenkt die Aufmerksamkeit vom Außen (Druck, Zuschauer, Fehler) hin zum Hier und Jetzt.
Effekte bei regelmäßiger Anwendung
- schnellere emotionale Regeneration nach Fehlern
- konstanter Fokus über das Spiel hinweg
- weniger körperliche Anspannung in Druckmomenten
- Gefühl von mentaler Kontrolle über sich selbst
Wichtige Quellen und Literaturhinweise
Birrer, D., Röthlin, P., & Morgan, G. (2012). Mindfulness to enhance athletic performance: Theoretical considerations and possible impact mechanisms. Mindfulness, 3(3), 235–246.
→ Grundlage für Achtsamkeit, Atmung und Aufmerksamkeitslenkung im Sport.
Beckmann, J., & Kellmann, M. (Hrsg.). (2004). Handbuch Sportpsychologie. Schorndorf: Hofmann.
→ Deutsches Standardwerk zur Sportpsychologie; beschreibt u. a. Pausenverhalten, Selbstregulation und Routinen.
Weinberg, R. S., & Gould, D. (2019). Foundations of Sport and Exercise Psychology (8th ed.). Human Kinetics.
→ Internationales Lehrbuch, deckt Atmung, Konzentration, Selbstgespräche und Routinen ab.
Lehrer, P. M., & Gevirtz, R. (2014). Heart rate variability biofeedback: How and why does it work? Frontiers in Psychology, 5, 756.
→ Wissenschaftliche Grundlage, warum langsames, tiefes Atmen das autonome Nervensystem beruhigt.
Grossman, P., & Taylor, E. W. (2007). Toward understanding respiratory sinus arrhythmia: Relations to cardiac vagal tone, evolution and biobehavioral functions. Biological Psychology, 74(2), 263–285.
→ Physiologischer Mechanismus der „Bauchatmung“ zur Aktivierung des Parasympathikus.
Schmid, J., & Peper, E. (1998). Self-regulation training and sport performance enhancement. Biofeedback, 26(1), 24–27.
→ Anwendung von Atemtechniken und Selbstregulation im Sportkontext.
Nitsch, J. R., & Hackfort, D. (1981/2016). Stress – Beanspruchung – Leistung: Grundlagen und Anwendungen sportpsychologischer Stressforschung. In Sportpsychologie (Hofmann Verlag).
→ Deutsche Quelle zu Stressverarbeitung, Selbststeuerung und Belastungsregulation.
Hardy, J. (2006). Speaking clearly: A critical review of the self-talk literature. Psychology of Sport and Exercise, 7(1), 81–97.
→ Belegt die Wirksamkeit von Schlüsselwörtern und Fokus-Sätzen („Jetzt“, „Ruhe“, „Ich kann das“).
Thelwell, R. C., & Greenlees, I. A. (2001). The effects of mental skills training on competitive anxiety and performance. Journal of Sports Sciences, 19(2), 127–135.
→ Zeigt, dass kurze mentale Routinen und Atemübungen die Leistung stabilisieren.
Heimsoeth, A. (2024) Sportmentaltraining. Erfolg beginnt im Kopf. 3. Auflage
Beckmann, J., & Elbe, A.-M. (2018). Einführung in die Sportpsychologie. Springer.
→ Kompakte, praxisorientierte Einführung mit Beispielen zu Atmung, Konzentration und Routinen.
Mayer, J., & Hermann, C. (2015). Mental stark! Mentales Training im Sport. Meyer & Meyer.
→ Praxisbuch für Trainer und Athlet:innen, enthält Atemübungen, Kurzpausen und Ritualgestaltung.
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