Moderation: Klaus Hofmeister
Wann? 05.07.2026 um 8.50 Uhr und 9.10 Uhr
Inhalte des Gesprächs:
🎧 Nach einer Niederlage, im Sport oder im Leben, wachsen in Menschen Selbstzweifel: Bin ich überhaupt noch gut, die andern sind alle besser. Wie geht man damit um?
🎧 Im Volksmund sagt man, man muss auch verlieren können und spricht vom schlechten und vom guten Verlierer. Was verstehe ich darunter?
🎧 Was gehört zur mentalen Stärke vor allem dazu?
🎧 Warum ist es wichtig, sich Ziele zu setzen?
🎧 Mentale Stärke ist trainierbar – Empfehlung konkreter Übungen.
Frage des Moderators:
Bleiben wir zu Beginn bei der WM-Pleite, so als ein Beispiel für dieses schmerzhafte Verlieren. Es heißt nach Niederlagen ja immer, die muss man “mental wegstecken”. Wie geht das?
Heimsoeth: Nach einer Niederlage passiert zunächst etwas ganz Normales: Unser Gehirn registriert den Misserfolg als etwas „Bedeutsames“. Das löst Emotionen aus – Enttäuschung, Zorn, Scham, Wut oder Selbstzweifel. Diese Reaktion ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine menschliche Schutzfunktion. Entscheidend ist deshalb nicht, Emotionen sofort wegzudrücken, sondern sie zunächst zuzulassen.
„Mental wegstecken“ bedeutet aus psychologischer Sicht nicht, möglichst schnell positiv zu denken. Es bedeutet vielmehr, die Niederlage einzuordnen. Eine Niederlage beantwortet nicht die Frage: „Bin ich gut genug?“ Sie beantwortet lediglich die Frage: „Wie ist es heute gelaufen?“ Wer beides miteinander verwechselt, gerät leicht in eine Spirale aus Selbstzweifeln.
Weiterlesen: Scheitern ist der Schlüssel zum Erfolg
Frage des Moderators:
Nach einer Niederlage, im Sport oder im Leben, wachsen in mir ja die Selbstzweifel: bin ich überhaupt noch gut, die andern sind alle besser. Wie geht man damit um?
Heimsoeth: Gerade im Leistungssport erlebe ich sehr häufig, dass Athletinnen und Athleten ihren Selbstwert eng an das Ergebnis koppeln. Das kennen viele Menschen aber auch aus dem Berufsleben oder im Privaten. Nach einem Rückschlag entstehen Gedanken wie: „Die anderen sind besser“, „Ich bin nicht gut genug“ oder „Vielleicht kann ich das einfach nicht.“ Solche Gedanken fühlen sich in dem Moment sehr überzeugend an, sind aber meist keine objektive Bestandsaufnahme, sondern Ausdruck der verletzten Emotion.
Hilfreich ist deshalb, zwischen der eigenen Person und der eigenen Leistung zu unterscheiden. Ich kann eine schlechte Leistung erbracht haben, ohne deshalb ein schlechter Mensch oder grundsätzlich ungeeignet zu sein. Diese Unterscheidung stärkt langfristig die Resilienz.
Tatsächlich erleben wir derzeit auch gesellschaftlich eine Atmosphäre, in der viele Menschen an sich zweifeln. Durch soziale Medien und permanente Vergleiche entsteht leicht der Eindruck, alle anderen seien erfolgreicher, schöner, reicher oder leistungsfähiger. Dadurch wird das Gefühl verstärkt, nie zu genügen. Umso wichtiger ist es, den eigenen Wert nicht ausschließlich an Leistung oder Erfolg festzumachen.
Frage des Moderators: Im Volksmund sagt man, man muss auch verlieren können und spricht vom schlechten und vom guten Verlierer. Was würden Sie darunter verstehen?
Heimsoeth: Wenn wir von einem „guten Verlierer“ sprechen, meinen wir oft jemanden, der ruhig bleibt und fair gratuliert. Das gehört dazu. Psychologisch würde ich den Begriff aber weiter fassen: Ein guter Verlierer ist nicht jemand, den Niederlagen kalt lassen. Sondern jemand, der sie ernst nimmt, daraus lernt und trotzdem seinen Selbstwert wahrt. Ein schlechter Verlierer hingegen definiert sich vollständig über Sieg oder Niederlage – entweder indem er die Schuld nur bei anderen sucht oder indem er sich selbst komplett abwertet.
Verlieren zu können bedeutet also nicht, Niederlagen gleichgültig hinzunehmen. Es bedeutet, sich von ihnen nicht definieren zu lassen. Denn persönliche Entwicklung entsteht selten durch den Erfolg allein – sondern oft gerade dadurch, wie wir mit Rückschlägen und Niederlagen umgehen.

Gewinnen. Verlieren. – Mentale Stärke für Gewinnertypen
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Frage des Moderators:
Frau Heimsoeth, das klingt ja immer ganz vollmundig, wenn Sie sagen: mit mentaler Stärke kann ich fast jedes Ziel erreichen.
Was gehört denn zur mentalen Stärke vor allem dazu?
Warum ist es wichtig, sich Ziele zu setzen?
Mentale Stärke ist trainierbar, sagen Sie, können Sie da konkrete Übungen empfehlen?
Heimsoeth: Mentale Stärke bedeutet vor allem, auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben. Dazu gehören Selbstvertrauen, Selbstwert, Selbstgespräche (Affirmationen), emotionale Selbstregulation, Konzentrationsfähigkeit, Fokus, Resilienz und die Bereitschaft, aus Rückschlägen zu lernen. Mentale Stärke heißt nicht, keine Zweifel oder Ängste zu haben – sondern trotz dieser Emotionen bewusst und zielgerichtet zu handeln.
Weiterlesen: Übungen und Tipps, um mentale Stärke zu trainieren
Frage des Moderators:
Warum ist es wichtig, sich Ziele zu setzen?
Heimsoeth: Ziele geben Orientierung und schaffen Motivation. Wer ein klares Ziel vor Augen hat, trifft Entscheidungen leichter und bleibt auch in schwierigen Phasen dran. Außerdem machen Ziele Fortschritte messbar. Wichtig ist dabei, dass Ziele positiv, attraktiv, realistisch, sinnesspezifisch konkret und persönlich bedeutsam sind – denn nur dann entfalten sie ihre motivierende Wirkung.
Weiterlesen: Ziele setzen und erreichen mit dem POSITIVen Zielrahmen
Mentale Stärke trainieren: Bewährte Übungen für mehr Selbstvertrauen und Resilienz
Frage des Moderators:
Mentale Stärke ist trainierbar, sagen Sie. Können Sie da konkrete Übungen empfehlen?
Heimsoeth: Ja, sehr gerne. Mentale Stärke lässt sich ähnlich wie ein Muskel trainieren. Bewährt haben sich zum Beispiel:
- Visualisierung: Erfolg im Kopf vorbereiten: Sich wichtige Situationen und den erfolgreichen Umgang damit gedanklich vorstellen.
- Selbstreflexion: Aus Erfahrungen lernen statt an Fehlern festhalten: Erfolge und Lernerfahrungen regelmäßig notieren, statt sich nur auf Fehler zu konzentrieren.
Weiterlesen: Selbstreflexion und (Neu-)Orientierung: Klarheit gewinnen für Ihre berufliche und persönliche Zukunft - Achtsamkeit und Atemtechniken gegen Stress und Leistungsdruck: Sie helfen, Stress zu regulieren und die Aufmerksamkeit zu fokussieren.
Weiterlesen: Die 3-3-3-Methode Achtsamkeitstechnik gegen Angst, Stress und innere Unruhe - Positive Selbstgespräche stärken das Selbstvertrauen und die Konzentration: Die innere Sprache bewusst konstruktiv gestalten, etwa „Ich schaffe das“ statt „Das wird nichts“.
Weiterlesen: Die Kraft der Affirmationen (positive Selbstgespräche) - Die Komfortzone schrittweise erweitern: Sich regelmäßig kleinen Herausforderungen stellen. Jede gemeisterte Situation stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Stärken.
Frage des Moderators:
Im Hochleistungssport haben viele erfolgreiche Menschen Rituale, die sie als Schlüssel zum Erfolg bezeichnen. Gibt es Ähnliches auf unserer alltäglichen Ebene?
Heimsoeth: Absolut. Rituale sind nicht nur etwas für Spitzensportler. Auch im Alltag helfen feste Gewohnheiten, konzentriert und gelassen zu bleiben. Feierabendritual. Das kann ein kurzer Spaziergang vor einem wichtigen Termin sein, drei bewusste Atemzüge vor einem Gespräch, das tägliche Planen der wichtigsten Aufgaben oder ein Abendritual, bei dem man drei Dinge notiert, die gut gelungen sind. Solche Routinen geben Sicherheit und schaffen Stabilität – gerade in stressigen Zeiten.
Was ist das größte Hindernis für Erfolg? Warum Angst und Bequemlichkeit ausbremsen
Frage des Moderators:
Was sehen Sie als größtes Hindernis dafür, selbst ein „Gewinnertyp“ zu werden?
Heimsoeth: Bequemlichkeit ist der größte Erfolgsverhinderer.
Das größte Hindernis ist häufig nicht mangelndes Talent, sondern die Angst vor Fehlern oder dem Scheitern. Viele Menschen warten auf den perfekten Zeitpunkt oder glauben, erst vollkommen vorbereitet sein zu müssen. Wer Erfolg haben möchte, sollte akzeptieren, dass Fehler zum Lernprozess dazugehören. Ein „Gewinnertyp“ zeichnet sich weniger dadurch aus, dass immer alles gelingt, sondern dadurch, dass er nach Rückschlägen wieder aufsteht, dazulernt und weitermacht. Genau diese Haltung lässt sich entwickeln und trainieren.
Fazit: Mentale Stärke entscheidet darüber, wie wir mit Gewinnen und Verlieren umgehen
Diese Bücher können Ihnen helfen, mental und emotional stärker zu werden:
📗 Antje Heimsoeth (2025) 111 Leadership Hacks. Effektive Techniken, wie Sie mit mentaler Stärke und Resilienz erfolgreich führen. Springer
📗 Antje Heimsoeth (2024) 111 Mental Hacks. Einfache Techniken, die Ihre mentale Stärke und Positivität steigern. SpringerGabler
📗 Antje Heimsoeth (2017) Mentale Stärke: Was wir von Spitzensportlern lernen können. C. H. Beck
📗 Antje Heimsoeth, „Kopf gewinnt!“ Der Weg zu mentaler und emotionaler Führungsstärke“. 3. Auflage. Springer Gabler Verlag
📗 Antje Heimsoeth (2024) Sportmentaltraining. Erfolg beginnt im Kopf. 3. Auflage. pietsch.
📗 Antje Heimsoeth (2023) Mentale Gesundheit. Wie wir entspannt unsere Leistungsfähigkeit erhalten. C. H. Beck
📗 Antje Heimsoeth (2023) Mentaltraining für Reiter. 5. überarbeitete Auflage. Müller Rüschlikon
📗 Antje Heimsoeth (2025) Golf mental. Mentale Stärke auf und neben dem Platz. 3. Auflage pietsch
📗 Antje Heimsoeth (2024) Frauenpower. Trainieren Sie Ihre mentale Stärke für ein Leben voller Kraft und Freude. Springer
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