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Die Lust zu gewinnen muss größer sein als die Angst zu verlieren

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16. Oktober 2026

8 Mentaltraining-Tipps für mehr Sicherheit im Sattel I Antje Heimsoeth

Wie kannst du deine Unsicherheit beim Reiten überwinden und mehr Vertrauen in dich selbst und dein Pferd entwickeln? Mentale Stärke, ein bewusster Umgang mit deinen Gefühlen und kleine Erfolgserlebnisse helfen dir, Schritt für Schritt sicherer im Sattel zu werden.

Vielleicht kennst du solche Situationen: Du möchtest mit anderen Reiterinnen und Reitern ins Gelände gehen, doch kurz vorher kommen Zweifel auf. Du hast dich für eine Springstunde angemeldet und fragst dich, ob du den Anforderungen gewachsen bist. Oder dein Pferd erschrickt regelmäßig an einer bestimmten Stelle in der Reithalle und du wirst bereits beim Gedanken daran angespannt.

Unsicherheit gehört zum Reiten dazu. Du kannst viel dafür tun, dein Selbstvertrauen aufzubauen und mit herausfordernden Situationen souveräner umzugehen.

Als zertifizierter Sport Mental Coach und aus meinen eigenen Erfahrungen mit Pferden – ich habe mit 4 Jahren zu reiten begonnen – möchte ich dir acht Tipps geben, mit denen du deine mentale und emotionale Stärke beim Reiten gezielt entwickeln kannst.

1. Wie möchtest du dich in Zukunft im Sattel fühlen?

Eine meiner Coachingtechniken ist die Arbeit mit der Time-Line. Markiere Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft mit Bodenankern (= Zettel, Metaplankarte, Gegenstand) auf dem Boden.

Schritt 1: Bestimme deinen aktuellen Standort (IST).
Stelle dich auf einen Punkt am Boden, der für die Gegenwart steht.

Frage dich:

  • Wie sicher fühle ich mich heute im Sattel auf einer Skala von 0 bis 10? 0 = vollkommen unsicher, 10 = bestmöglich sicher.
  • Was denke ich, wenn ich jetzt auf mein Pferd steige?
  • Welche Gefühle nehme ich wahr?
  • Wie reagiert mein Körper?
  • In welchen Situationen fühle ich mich bereits sicher? Wann gar nicht?

Schritt 2: Formuliere dein Ziel – Wie möchtest du dich in Zukunft im Sattel fühlen?
Nachdem du dein aktuelles Sicherheitsgefühl auf einer Skala von 0 bis 10 eingeschätzt hast, geht es darum, ein konkretes Ziel für deine persönliche Weiterentwicklung zu formulieren.

Stelle dir vor, du bist sechs Monate oder ein Jahr weiter. Wie möchtest du dich dann beim Reiten fühlen? Vielleicht möchtest du wieder mit Freude und Zuversicht ins Gelände reiten. Vielleicht wünschst du dir, dass du beim Springreiten mutiger wirst, deinem Pferd mehr vertraust oder auch in unerwarteten Situationen ruhig und handlungsfähig bleibst.

Entscheidend ist, dass du dein Ziel möglichst konkret, attraktiv, positiv und in deiner eigenen Sprache formulierst. Eine Aussage wie „Ich möchte weniger Angst beim Reiten haben“ beschreibt vor allem deinen aktuellen Zustand und das, was du verändern möchtest, ist aber keine Zielformulierung.

Überlege dir deshalb, was du stattdessen erleben, fühlen und können möchtest.

Beispielsweise:

  • „Ich reite mit einem guten Gefühl und voller Selbstvertrauen ins Gelände.“
  • „Ich sitze ruhig und ausbalanciert im Sattel, auch wenn mein Pferd einmal erschrickt.“
  • „Ich gehe mit Freude in meine Springstunde.“
  • „Ich vertraue auf meine reiterlichen Fähigkeiten und kann mit unerwarteten Situationen besonnen umgehen.“

Woran wirst du erkennen, dass du dein Ziel erreicht hast?
Ein Ziel wird besonders hilfreich, wenn du genau beschreiben kannst, woran du deine Fortschritte erkennen wirst.

Stelle dir deshalb folgende Fragen:

  • Gefühle: Wie möchtest du dich fühlen, wenn du dein Pferd sattelst, aufsteigst und reitest?
  • Gedanken: Was möchtest du in Zukunft über dich selbst und deine Fähigkeiten denken?
  • Körper: Wie möchtest du im Sattel sitzen? Wie atmest du? Wie fühlen sich deine Schultern, deine Hände und dein gesamter Körper an?
  • Verhalten: Was wirst du konkret tun, wenn du dich sicherer fühlst? Welche Situationen wirst du wieder aufsuchen oder welche Aufgaben wirst du dir zutrauen?
  • Umgang mit Herausforderungen: Wie möchtest du reagieren, wenn dein Pferd erschrickt, eine Lektion misslingt oder eine unerwartete Situation entsteht?
  • Selbsteinschätzung: Wo möchtest du in sechs Monaten oder einem Jahr auf deiner persönlichen Sicherheitsskala von 0 bis 10 stehen?

Versuche, dir die zukünftige Situation möglichst lebendig vorzustellen. Wo befindest du dich? Reitest du in der Halle, auf dem Außenplatz oder im Gelände? Bist du allein oder mit anderen unterwegs? Was siehst und hörst du? Wie fühlt sich dein Körper an? Was sagst du innerlich zu dir selbst?

Je konkreter du dein Ziel beschreibst, desto leichter kannst du erkennen, welche nächsten Schritte dich dorthin führen.

Dein Ziel sollte zu dir und deinem Pferd passen
Orientiere dich bei deiner Zielformulierung an deinen eigenen Fähigkeiten, deinen Stärken, deinen Erfahrungen und den Voraussetzungen deines Pferdes.

Vielleicht ist dein Ziel ein entspannter Ausritt im Schritt. Vielleicht möchtest du wieder eine Springstunde mitreiten oder eine bestimmte Dressurlektion mit mehr Mut reiten.
Jeder dieser Entwicklungsschritte kann für dich persönlich eine große Bedeutung haben.

Die entscheidende Frage lautet: Was möchtest du für dich selbst erreichen, und woran wirst du erkennen, dass du deinem Ziel nähergekommen bist?

Schreibe dein Ziel auf. Du wirst es im nächsten Schritt unserer Timeline-Übung benötigen, wenn du gedanklich in die Zukunft reist und aus dieser neuen Perspektive auf deinen Entwicklungsweg zurückblickst.

Schritt 3: Reise gedanklich in deine Zukunft.
Markiere dein Ziel auf dem Boden und gehe langsam darauf zu. Stelle dir vor, wie du dein Ziel erreichst. Dann gehst du am Ziel vorbei einige Schritte weiter. Drehe dich um und schaue zurück auf den Bodenanker, der für dein Ziel steht. Du betrachtest deine Entwicklung jetzt aus einer imaginären Zukunftsperspektive.

Frage dich:

  • Was hat mir geholfen, sicherer im Sattel zu werden?
  • Welche Herausforderungen habe ich gemeistert?
  • Welche Eigenschaften, Fähigkeiten und Stärken habe ich weiterentwickelt?
  • Wer hat mich auf meinem Weg unterstützt?
  • Auf welche Momente beim Reiten bin ich besonders stolz?
  • Was würde mein zukünftiges Ich meinem heutigen Ich empfehlen?

Diese veränderte Perspektive kann dir helfen, neue Lösungsansätze zu entdecken.

Schritt 4: Leite deine nächsten Schritte ab.
Gehe zurück in die Gegenwart und überlege: Was kann ich heute, morgen oder beim nächsten Training konkret tun, um meinem Ziel näherzukommen? Denke dabei in kleinen oder sogar kleinsten Schritten.

Vielleicht vereinbarst du eine zusätzliche Trainingseinheit mit deinem Reitlehrer. Vielleicht übst du zunächst am Boden mit deinem Pferd. Oder du beginnst mit einem kurzen Ausritt in vertrauter Umgebung und mit einem erfahrenen Reiter.

Entscheidend ist, dass du ins Handeln kommst und deine Entwicklung bewusst gestaltest.

Weitere Formate und Interventionen kannst du in der Ausbildung zum Mental Coach im Pferdesport lernen. Informationen findest du hier >>.

2. Akzeptiere deine Tagesform: Dein mentales Befinden beeinflusst dein Reiten

Wir kommen jeden Tag mit einer anderen körperlichen und emotionalen Verfassung in den Stall. Vielleicht hattest du einen wunderbaren Tag, bist voller Energie und freust dich auf dein Pferd. Vielleicht liegt aber auch ein anstrengender Arbeitstag hinter dir. Du hattest Ärger mit einem Kollegen, eine schwierige Besprechung oder eine belastende Situation in deiner Familie. All das kann beeinflussen, wie du dich beim Reiten fühlst, wie konzentriert du bist und wie du auf Herausforderungen reagierst.

Nutze deshalb vor dem Reiten dein persönliches Launometer.
Stelle dir eine Skala von 0 bis 10 vor:

  • 0: Ich bin erschöpft, schlecht gelaunt oder habe kaum Energie.
  • 5: Ich fühle mich einigermaßen ausgeglichen und bin bereit für eine moderate Trainingseinheit.
  • 10: Ich bin voller Energie, motiviert und freue mich auf das Reiten.

Frage dich vor dem Aufsteigen: Wo stehe ich heute?

Und dann folgt die entscheidende Frage: Was ist heute angesichts meiner körperlichen und emotionalen Verfassung ein sinnvolles Trainingsziel?

Wenn du erschöpft, traurig, angespannt oder wütend bist, kann eine leichtere Trainingseinheit sinnvoller sein als das Üben deiner schwierigsten Lektionen oder anspruchsvoller Distanzen im Springparcours.

Vielleicht konzentrierst du dich heute auf einen ausbalancierten Sitz, einen gleichmäßigen Rhythmus oder eine ruhige, klare Kommunikation mit deinem Pferd.

An einem anderen Tag fühlst du dich wieder bereit, anspruchsvollere Aufgaben anzugehen.

Akzeptanz bedeutet, deine aktuelle Verfassung bewusst wahrzunehmen und dein Training entsprechend zu gestalten. Du kannst jeden Tag dein Bestes geben. Was dein Bestes ist, hängt auch von deiner jeweiligen Tagesform ab.

3. Stärke dein Selbstvertrauen durch kleine Erfolgserlebnisse

Viele Reiterinnen und Reiter glauben, sie müssten sich möglichst großen Herausforderungen stellen, um mutiger zu werden. Dabei können gerade kleine, bewusst gestaltete Erfolgserlebnisse das Selbstvertrauen fördern.

Mehr dazu in der Podcastepisode: Erfolgstagebuch führen: Mehr Motivation, mehr Selbstvertrauen, mehr Energie

Angenommen, du fühlst dich beim Ausreiten unsicher. Dann könnte dein nächster Entwicklungsschritt darin bestehen, zunächst eine kurze, vertraute Strecke mit einer erfahrenen Begleitung zu reiten. Später verlängerst du die Strecke oder integrierst neue Situationen.

Die Kunst besteht darin, deine persönliche Belastungsgrenze behutsam zu erweitern. Dafür brauchst du Aufgaben, die dich fordern und gleichzeitig realistisch zu bewältigen sind.

Frage dich:

  • Welcher kleine Schritt ist heute für mich machbar?
  • Was brauche ich, um mich bei dieser Übung ausreichend sicher zu fühlen?
  • Woran erkenne ich, dass ich Fortschritte mache?
  • Wie kann ich an einen gelungenen Schritt anknüpfen?

Jede erfolgreich bewältigte Herausforderung liefert dir neue Erfahrungen, auf die du später zurückgreifen kannst.

Weiterlesen: Voller Selbstvertrauen – zielorientiert – fokussiert I Mental stark im Pferdesport

4. Übernimm Verantwortung für deine Entwicklung und suche nach Lösungen

Wenn wir uns unsicher fühlen, finden wir manchmal viele Gründe, weshalb wir bestimmte Situationen vermeiden. Vielleicht sagst du einen gemeinsamen Ausritt ab oder bleibst grundsätzlich bei den Übungen, die du bereits beherrschst.

Manchmal steckt dahinter eine realistische Einschätzung deiner Fähigkeiten und der aktuellen Situation. Manchmal spielen auch Befürchtungen und alte Erfahrungen eine Rolle. Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Frage dich: Welche inneren und äußeren Ressourcen brauche ich für meinen nächsten Entwicklungsschritt?
Innere Ressourcen können beispielsweise deine Erfahrungen, deine Konzentrationsfähigkeit, hilfreiche Gedanken, eine Atemtechnik, Thymusdrüse klopfen, schnelle Augenbewegungen oder deine Fähigkeit zur Selbstregulation sein.
Äußere Ressourcen sind etwa ein erfahrener Reitlehrer, ein geeignetes Pferd, eine ruhige Trainingsumgebung oder eine passende Übung.

Vielleicht entscheidest du heute, in der Reithalle zu bleiben, obwohl die anderen ausreiten.

Dann kannst du diese Entscheidung bewusst treffen und anschließend überlegen, wie du dich auf einen zukünftigen Ausritt vorbereiten möchtest. Was brauchst du dafür? Welche Erfahrungen möchtest du vorher sammeln? Wer könnte dich unterstützen? So entwickelst du konkrete Handlungsmöglichkeiten.

Und wenn dir beim Reiten ein Fehler unterläuft, probiere einmal eine andere innere Reaktion aus: „Aha, interessant!“ Diese beiden Worte schaffen etwas Abstand zwischen deinem Fehler und deiner Bewertung. Anschließend kannst du neugierig untersuchen, was passiert ist, welche Ursachen infrage kommen und was du beim nächsten Mal verändern möchtest.

5. Analysiere deine Trainingseinheiten

Wer sich sportlich weiterentwickeln möchte, profitiert von einer regelmäßigen Trainingsanalyse. Gerade wenn du ambitionierte Ziele im Reitsport verfolgst, ist es sinnvoll, Trainingseinheiten systematisch auszuwerten. Dabei beobachte ich immer wieder, dass Reiterinnen und Reiter ihre Aufmerksamkeit besonders stark auf Fehler, Schwierigkeiten und misslungene Lektionen oder Kombinationen im Parcours richten.

Solche Beobachtungen sind wichtig für die weitere Trainingsplanung. Für dein Selbstvertrauen ist es ebenso entscheidend, die gelungenen Momente bewusst wahrzunehmen.

Stelle dir deshalb nach jeder Trainingseinheit folgende Fragen:

  • Was ist mir heute gut gelungen?
  • Worauf bin ich stolz?
  • In welcher Situation habe ich mich sicher gefühlt?
  • Welche Herausforderung habe ich gemeistert?
  • Was genau hat zu meinem heutigen Trainingserfolg beigetragen?
  • Welche meiner Stärken, Fähigkeiten und Talente habe ich genutzt?
  • Was möchte ich beim nächsten Training weiterentwickeln?

Besonders wichtig finde ich die Frage nach deinen persönlichen Stärken. Vielleicht hast du in einer schwierigen Situation Ruhe bewahrt. Vielleicht warst du geduldig, hast eine klare Entscheidung getroffen oder bist nach einem Fehler konzentriert weitergeritten. Wenn du erkennst, welche Stärken dir zum Gelingen verholfen haben, entwickelst du ein differenzierteres und positiveres Selbstbild als Reiterin oder Reiter. Du lernst, deinen eigenen Fähigkeiten und Stärken zunehmend zu vertrauen.

Mein Tipp: Führe ein Trainingstagebuch und halte nach jedem Training mindestens drei Dinge fest, die dir gelungen sind. Ergänze, was du daraus gelernt hast und welchen nächsten Schritt du angehen möchtest.

6. Nutze positive Selbstgespräche (Affirmationen)

Wie sprichst du innerlich mit dir selbst? Welche Gedanken gehen dir durch den Kopf, wenn dein Pferd unruhig wird oder du nach längerer Zeit wieder ins Gelände reitest?

Unsere inneren Selbstgespräche beeinflussen, wie wir mit Herausforderungen umgehen. Als Sport Mental Coach arbeite ich deshalb gerne mit produktiven Selbstgesprächen (Affirmationen). Eine Affirmation kann dir Mut geben, deine Aufmerksamkeit lenken und dich an deine Fähigkeiten erinnern.

Beispiele sind:

  • „Ich atme ruhig und konzentriere mich auf meine nächste Aufgabe.“
  • „Ich darf in meinem Tempo lernen.“
  • „Ich vertraue auf meine Vorbereitung und meine Stärken.“
  • „Ich wachse mit jeder bewältigten Herausforderung.“
  • „Ich finde Lösungen und hole mir Unterstützung, wenn ich sie brauche.“
  • „Ich bleibe aufmerksam und handlungsfähig.“

Wähle Formulierungen, die für dich glaubwürdig und hilfreich sind.

Weiterlesen: Positive Selbstgespräche für Reiter: Mit Affirmationen Angst und Selbstzweifel überwinden

Was würdest du einem guten Freund sagen?
Wenn dir gerade keine passende Affirmation einfällt, stelle dir folgende Frage: Was würde ich mir jetzt von einem guten Freund wünschen? Welche Worte würden mir Zuversicht vermitteln? Was würde mir helfen, wieder Mut zu fassen?

Du kannst die Perspektive auch umdrehen: Was würdest du einer guten Freundin sagen, die sich gerade in derselben Situation befindet?
Viele Menschen finden für andere Menschen wesentlich leichter ermutigende Worte als für sich selbst.

Warum du deine Affirmationen aufschreiben solltest
An eine einmal formulierte Affirmation erinnerst du dich in einer belastenden Situation möglicherweise kaum. Deshalb empfehle ich, produktive Selbstgespräche regelmäßig zu üben und Erinnerungshilfen einzusetzen. Schreibe deine Affirmation auf einen Zettel und klebe ihn beispielsweise an die Innenseite deines Sattelschranks. Vielleicht wählst du auch ein einzelnes Schlüsselwort, das du auf deinen Reithandschuh schreibst.

Du kannst mit einem Bild, einem Symbol oder einer kleinen Geste arbeiten, die dich an deinen hilfreichen Gedanken erinnert.

So entwickelst du mit der Zeit eine persönliche mentale Routine für für dich herausfordernde Situationen.

7. Wiederhole schwierige Situationen in kleinen, sicheren Schritten

Sicherheit beim Reiten entwickelt sich durch Erfahrungen, Übung und Wiederholungen. Ein typisches Beispiel ist der berühmte Stuhl in der Ecke der Reithalle. Dein Pferd springt regelmäßig zur Seite in die Bahnmitte. Irgendwann bist du bereits angespannt, wenn du dich diesem Stuhl in der Ecke näherst.

Oder du denkst an den Traktor, der euch beim Ausreiten begegnen könnte. Solche Situationen kannst du gemeinsam mit einer sicheren Begleitung in kleine, gut bewältigbare Übungen zerlegen.

Vielleicht beginnst du damit, dein Pferd am Boden an den Gegenstand heranzuführen. Du beobachtest seine Reaktionen, achtest auf deine eigene Körpersprache und gibst ihm ausreichend Zeit. Je nach Situation und Ausbildungsstand kannst du anschließend vom Sattel aus weiterarbeiten.

Entscheidend sind ein kontrollierbarer Trainingsrahmen, angemessene Anforderungen und die Sicherheit von Pferd und Mensch.

Eine persönliche Erfahrung mit einer Stute im Gelände
Ich erinnere mich an eine Stute, die ich zum Beritt hatte. Ich reite sehr gerne draußen und beziehe deshalb auch das Gelände in meine Arbeit mit Pferden ein. Eines Tages ging ich mit dieser Stute ausreiten. Auf unserer Strecke mussten wir durch ein Dorf. Dort wurde die Stute schwierig. Sie wollte den Weg durch das Dorf zunächst verweigern und begann schließlich leicht zu steigen. Ich entschied mich, abzusteigen und die Situation zunächst vom Boden aus zu lösen. Ich führte die Stute mehrmals durch den betreffenden Bereich im Ort. Anschließend stieg ich wieder auf. Wir konnten unseren Weg fortsetzen.

Als ich später zum Stall zurückkam, lief die Besitzerin ganz aufgeregt auf mich zu. „Antje, ich habe total vergessen, dir zu sagen, dass die Stute im Gelände problematisch sein kann, besonders beim Reiten durch ein Dorf!“ Meine Antwort war sinngemäß: „Ja, das habe ich erlebt.“

Was war für mich an dieser Situation entscheidend?

Ich habe meine Vorgehensweise verändert und die Anforderung zunächst vom Boden aus bewältigt. Dabei ging es darum, eine für uns bewältigbare Lösung zu finden. Die genaue Ursache für das Verhalten der Stute kannte ich damals nicht. Umso wichtiger war es, die Reaktion ernst zu nehmen und die Situation ernst zu nehmen.

Diese Erfahrung zeigt, wie hilfreich es sein kann, flexibel auf Herausforderungen zu reagieren.

Ein wichtiger Sicherheitshinweis: Steigen, heftige Schreckreaktionen oder andere Reaktionen können gefährlich werden. In solchen Situationen haben die Sicherheit von Mensch und Pferd sowie die Klärung möglicher Ursachen Vorrang. Das Absteigen, Führen und erneute Aufsteigen muss zur jeweiligen Situation passen und sicher möglich sein. Bei wiederkehrenden Problemen empfehle ich die Unterstützung durch eine entsprechend qualifizierte Trainerin.

8. Vergleiche dich mit deiner eigenen Entwicklung

Einer der größten Stolpersteine für dein Selbstvertrauen ist der ständige Vergleich mit anderen Reiterinnen und Reitern. Vielleicht siehst du eine Reiterin, die scheinbar mühelos durch einen anspruchsvollen Springparcours reitet. Oder du beobachtest jemanden, der mit seinem Pferd entspannt ausreitet, während du selbst noch an deinem Sicherheitsgefühl arbeitest.

Schnell entstehen Gedanken wie: „Warum kann sie das schon so gut?“ oder „Wieso bin ich noch lange nicht so weit?“

Dabei sehen wir von anderen Menschen häufig nur einen kleinen Ausschnitt. Es ist, als würden wir durch ein Schlüsselloch schauen. Wir kennen ihre gesamte Geschichte kaum. Wir wissen wenig über ihre Trainingsmöglichkeiten, die Ausbildung ihres Pferdes, frühere Erfahrungen, ihre Unterstützung oder darüber, wie viele Schwierigkeiten sie bereits bewältigt hat.

Deshalb empfehle ich dir, andere Reiterinnen und Reiter gezielt als Lernquelle zu nutzen. Schau dir Trainingseinheiten, Turnierrunden und Ritte erfahrener Reiter an. Beobachte ihre Körpersprache, ihre Kommunikation mit dem Pferd und ihren Umgang mit Fehlern.

Frage dich: „Was kann ich von dieser Reiterin oder diesem Reiter lernen?“
Richte deinen Blick anschließend wieder auf deine eigene Entwicklung.

Wie hast du dich vor drei Monaten gefühlt? Welche Herausforderungen hast du inzwischen gemeistert? Welche Fähigkeiten hast du verbessert? Was gelingt dir heute bereits leichter?

Deine Fortschritte sind der entscheidende Maßstab für deine persönliche Entwicklung.

Fazit: Sicherheit im Sattel wächst Schritt für Schritt

Mehr Selbstvertrauen beim Reiten entsteht durch das Zusammenspiel aus mentaler Stärke, fachlicher Kompetenz, Erfahrung, einer realistischen Selbsteinschätzung und einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit deinem Pferd.

Du kannst lernen, deine Gedanken bewusst zu steuern, deine Tagesform zu berücksichtigen und schwierige Situationen gezielt vorzubereiten. Du kannst deine Stärken erkennen, hilfreiche Selbstgespräche entwickeln und durch kleine, erfolgreiche Trainingsschritte wertvolle Erfahrungen sammeln. Und du kannst lernen, auf deine ganz persönliche Entwicklung zu vertrauen.

Meine wichtigste Empfehlung: Frage dich regelmäßig, was du bereits gut kannst, was du heute brauchst und welcher nächste kleine Schritt dich deinem Ziel näherbringt.

Du möchtest mental stärker und sicherer im Sattel werden?

Vielleicht möchtest du wieder mit mehr Freude ausreiten, deine Nervosität vor dem Turnier reduzieren oder nach einer schwierigen Erfahrung wie einem Sturz Vertrauen zurückgewinnen. Als Mental Coach begleite ich Reiter*innen und Ausbilder*innen dabei, ihre mentalen Fähigkeiten weiterzuentwickeln, persönliche Herausforderungen zu bewältigen und neue Perspektiven zu entdecken.

Weiterlesen:  Mentale Fähigkeiten, die einen mental starken Reiter ausmachen: Ihre Toolbox

Wenn du Fragen zu den vorgestellten Übungen hast oder dir individuelle Unterstützung wünschst, freue ich mich über deine E-Mail.

© Ihre Antje Heimsoeth

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Antje Heimsoeth

       

Über die Autorin: Antje Heimsoeth – Mental Performance Coach, Keynote Speakerin und führende Expertin für mentale Stärke

Seit über zwei Jahrzehnten begleite ich Spitzensportler*innen, Olympiateilnehmer*innen, Führungskräfte, Konzerne und Unternehmen dabei, mentale Stärke aufzubauen, Höchstleistungen zu erreichen und auch unter Druck erfolgreich zu handeln – ohne dabei ihre mentale Gesundheit aus dem Blick zu verlieren.
Ich biete darüber hinaus eine umfassende Unterstützung in der Leadership-Entwicklung im Kontext von Wandel und Transformation.

  • Über 23 Jahre Erfahrung
  • 15-fache Buchautorin
  • Einer der gefragtesten Keynote Speaker auf Kongressen und Veranstaltungen in Deutschland, der Schweiz, Österreich
  • Studium Dipl. Ing. Vermessungsingenieurin (FH)
  • Gehört zu den bekanntesten Mental Coaches im Bereich der persönlichen Weiterentwicklung und der Strategien für Spitzenleistungen im deutschsprachigen Raum
  • Bei Managern und Medien gilt sie als „renommierteste Motivationstrainerin Deutschlands“ (FOCUS).
  • Ende 2019 wurde sie zum Senat der Wirtschaft berufen und so Teil eines exklusiven Kreises von Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.
  • Durchführung von Coachings für Führungskräfte, Unternehmer, Vorstände, Politiker und Wirtschaftspersönlichkeiten.
  • Durchführung von Trainings und Workshops zur Vertrauen, Menschlichkeit & Wertschätzung, Mindset, Transformation, Mental Change und Positive Leadership.
  • Erfahrung mit über 600 internationalen Konzernen, DAX Unternehmen und traditionsreichen Mittelständlern sowie zahlreichen internationalen Spitzensportlern - in ihrem Klientenkreis befinden sich zahlreiche Olympiasieger und Weltmeister, deutsche und internationale Sportteams und Bundestrainer
  • Stand auf einem der berühmtesten roten Teppiche dieser Welt: Der von TED Conferences.
  • ECA Sport Coach (Master Competence)

Komplexe Inhalte einfach, verständlich und prägnant zu vermitteln, ist eine meiner besonderen Stärken. Mit ausdrucksstarken Zitaten, einprägsamen Bildern und vielen persönlichen Beispielen mache ich Wissen lebendig und unmittelbar anwendbar. So werden meine Trainings zu intensiven Erlebnissen, die Menschen nachhaltig stärken und Veränderungen ermöglichen.

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