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Umfeldmanagement
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Golf Routinen und Rituale – Pre-Shot-Routine

Pre-Shot-Routine - Golf Routinen und Rituale - Antje Heimsoeth

Von Golfmentaltrainerin Antje Heimsoeth

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Rituale sind eine ganz wichtige psychische Komponente, um innere Stabilität auf dem Golfplatz zu behalten. Und doch wird das Thema in der Praxis immer noch stiefmütterlich behandelt. Letztens rief mich ein Interessent an, der seit vier Monaten Golf spielt. Er hatte von einer Pre-Shot-Routine noch nie etwas gehört. Sein Pro hatte ihm leider darüber nichts vermittelt.

Tiger Woods trägt in einer Finalrunde traditionell die Farbe Rot. (Tiger Woods. So spiele ich! 2006, S. 239)

Für manche Spieler mag die Grenzen zum „Aberglauben“ hier fließend sein, Tatsache ist jedoch: Rituale und Routinen im Sport geben Stabilität und Sicherheit, bereiten den Spieler darauf vor, in seinen optimalen Leistungszustand zu kommen.

In der mentalen Vorbereitung ist die Schlagroutine der wichtigste Bestandteil eines guten Golfspiels. Beobachten Sie einmal einen Tourprofessional bzw. die besten Spieler der Welt. Sie werden feststellen, dass die guten Golfer vor einem Schlag konstant immer wieder die gleichen Bewegungsabläufe, die gleiche Schlagvorbereitung ausführen. Je präziser und fließender dieses Ritual ist, desto größer die Chance auf Erfolg und um so eher schöpfen Sie Ihr Potenzial aus. Die Pre-Shot-Routine ist kein monotones, und doch ein gleich bleibendes, konstantes, systematisches, vom Umfeld und der Umgebung losgelöstes Ritual. Sie ist mehr als eine Gewohnheit.

Beinahe in jeder Sportart können Sie Rituale vor dem Start beobachten, zum Beispiel beim Skispringen vor jedem Sprung, im Reitsport, im Skisport, in der Leichtathletik vor jedem Wettbewerb, im Tennis vor dem Aufschlag oder im Basketball vor dem Freiwurf.

Pre-Shot-Routine
Die Pre-Shot-Routine hilft u.a., sich auf das Ziel auszurichten; sie bewirkt eine Voraktivierung im Gehirn, vertieft die Konzentration – auch unter schwierigen Bedingungen.
Bitte imitieren Sie keine Pre-Shot-Routine. Sie kennen die wichtigen inneren Effekte der Schlagroutine auf den Spieler, von dem Sie die Pre-Shot-Routine „kopieren“ möchten, nicht. Und haben Sie schon mal beobachtet, dass zwei Golfer ein und dieselbe Pre-Shot-Routine haben? Jeder hat seine individuellen „Marotten“. Entwickeln Sie daher exklusiv für sich ihre EIGENE Routine, mit der Sie sich wohl fühlen.

→ Einleitung der Pre-Shot-Routine z.B. indem Sie den Klettverschluss ihres Handschuhs schließen. Bewusste tiefe Atmung, um zur Ruhe und über die Atmung ins Hier und Jetzt (Konzentration) zu kommen.
→ Wählen Sie vor jedem Schlag einen ganz konkreten Zielpunkt oder ein Zielgebiet aus. Dabei sollten alle Entscheidungen und das gewählte Ziel realistisch sein. Ihre Entscheidungen passen zu Ihren tatsächlichen Fähigkeiten und den jeweiligen Gegebenheiten auf dem Platz. Achten Sie darauf, dass Sie ihre Entscheidung in einem ausgeglichenen emotionalen Zustand treffen und sich nicht noch über dem letzten Miss-Hit ärgern bzw. über ihre Leistung enttäuscht sind.
Wählen Sie der Zielsetzung entsprechend den passenden Schläger aus!

Wenn irgendeine Behinderung oder Störung während der Routine, egal, ob diese von innen oder außen auftritt, Sie zum Beispiel das geringste Unsicherheitsgefühl oder Zweifel spüren dann den Vorgang abbrechen. Und beginnen Sie nochmals von vorne.

→ Treten Sie aufgerichtet, selbstbewusst, zuversichtlich, vertrauensvoll und unbeeinflusst von negativen Gedanken an den Ball heran, stellen sich mehrere Schritte (ca. drei Meter) hinter den Ball und schaue auf ihr Ziel. Atmen Sie tief durch. Stellen Sie eine möglichst intensive Verbindung mit dem Ziel her.

„Kopfkino“
Und dann sehen Sie ihren Schlag so klar wie möglich. Gehen Sie den Schlag mit all ihren Sinnen (sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken) im Geiste durch. Spüren Sie den Schwung und die Bewegung; fühlen Sie den Treffmoment. Hören Sie, wie Sie den Ball im Treffmoment mit einem satten Ton treffen. Visualisieren Sie die Flugbahn des Balles und den Landepunkt. Sehen Sie ihren Ball im Ziel. Hören Sie wie der Ball ins Loch fällt. Oder sehen Sie, wie der Ball ausrollt. So programmieren Sie ihr Unterbewusstsein darauf genau das zu tun, was Sie sich vorstellen.

Geeignetes, wieder gut auffindbares Zwischenziel auswählen, z.B. einen Grashalm, ein altes Tee in 2 – 10 Meter Entfernung vom Ball. Lassen Sie sich dabei nicht von schief gesteckten Abschlagskugeln oder schrägen Mähstreifen irritieren.

→ Probeschwung
→ Ball ansprechen
Letzte Programmierung mittels eines kurzen Schwunggedankens oder eines Wortes wie z.B. „locker“ oder „Drehen winkeln“.
Sie haben jetzt alles getan, was Sie bewusst tun können, um sich optimal vorzubereiten. Prüfen Sie jetzt nichts mehr. Übergeben Sie beim Ansprechen des Balles die Ausführung vertrauensvoll ihrem Körper und Muskelgedächtnis, ihrer Intuition und ihrem Unterbewusstsein. Ihr rationales Denken hat Pause.
→ Schauen Sie noch ein letztes Mal auf den Zielpunkt. Ihr Schläger bleibt in Bewegung.
Harren Sie nicht zulange in dieser Position aus, damit ihre Muskulatur nicht verkrampft. Atmen Sie tief ein und aus. Spielen Sie den Ball.

→ Das Finish ist immer gleich. Verweilen Sie im Finish. Ergebnis ermitteln. Schauen, wie der Ball rollt/fliegt. Beobachten Sie ihren Ball bis zum Ende. Geben Sie ihre körperliche Präsenz nicht auf.

Post-Shot-Routine
Die Post-Shot-Routine schließt das Ritual ab: nach einem kurzen gedanklichen Feedback das Ergebnis akzeptieren, wie es ist. Bei schlechtem Schlag sachlich und ohne Selbstkritik das Ganze kurz kommentieren und der negativen Emotion eventuell mit einem Fußstampfer Luft machen. Kurze Entspannungsatmung zur Beruhigung. Einen guten Schlag einprägen, das Gefühl genießen. Die Routine durch eine Symbolhandlung beenden, etwa das Öffnen des Handschuhs.

Alles in allem dauert diese Schlagroutine nur eine halbe bis eine Minute. Es erfordert aber einige Übung, bis sie automatisch und fließend abläuft. Eine gute Routine, die Sie konsequent bei jedem Schlag durchführen, kann allerdings ihr Handicap erheblich verbessern.

Viel Spaß!
Ihre Antje Heimsoeth

Nächstes Seminar: Golf Mental – Erfolg beginnt im Kopf am 15./16.10.2016 in Pfaffing, Obb.

Literatur:
Heimsoeth, Antje. Golf Mental: Pockettraining. Pietsch 2012, S. 85 und 94
WOODS, T.: So spiele ich! 3. Auflage, München 2006

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