Der Internationale Trainer-Kongress (ITK) 2026 des Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) fand vom 27. bis 29. Juli 2026 in Mainz statt. In seinem Vortrag analysierte Prof. Dr. Geir Jordet, Sportpsychologe von der Norwegian School of Sport Sciences, Wissenschaftler, psychologische Verhaltensmuster und die Körpersprache von Spielern in unter Druck stehenden Spielsituationen. Darüber hinaus ist er seit vielen Jahren im norwegischen Fußball tätig. Er arbeitet unter anderem für ein Leistungszentrum des norwegischen Fußballverbandes. Ein wesentliches Ziel bestand darin, die norwegischen Nationalmannschaften und Spieler wieder auf die große internationale Bühne zu bringen.International hat er mit zahlreichen Klienten und Organisationen im europäischen Fußball zusammengearbeitet. Dabei war er sowohl beratend für Vereine tätig als auch als Mental Coach für einzelne Spieler, darunter Torhüter und andere Profis.
Quellen- und Transparenzhinweis
Die Aussagen aus dem Vortrag wurden zusammengefasst und mit eigenen Worten wiedergegeben. Es wurden keine ungeprüften wörtlichen Zitate aus dem Vortrag übernommen.
Die fachliche Einordnung zu mentaler Stärke, Druck, Mental Coaching, Kommunikation und Körpersprache stammt von Antje Heimsoeth. Sie ist nicht als wörtliche Aussage von Prof. Dr. Geir Jordet zu verstehen.
Die psychologische Analyse im modernen Fußball
Im Fußball hat es in den vergangenen Jahren eine regelrechte Revolution bei der Nutzung von Daten und Analysen gegeben. Aus Trainersicht ist die psychologische Dimension jedoch weiterhin schwer zu messen.
In Vereinen werden Entscheidungen heute anhand unterschiedlicher Analysen getroffen:
- technische Analysen,
- taktische Analysen,
- physische und athletische Analysen.
Doch wo bleibt die psychologische Analyse?
In vielen Vereinen arbeiten zahlreiche Spezialisten. Trotzdem wird die mentale Seite der Leistung häufig nicht systematisch erfasst. Es wird beispielsweise schnell behauptet, ein Spieler sei mental nicht bereit oder könne unter Druck keine Leistung bringen. Solche Aussagen sind jedoch häufig nicht ausreichend durch Daten oder konkrete Beobachtungen gestützt.
Die Sportpsychologie hat zwar gezeigt, dass psychologische Faktoren wie Motivation, Stressbewältigung und Selbstregulation zukünftige Leistungen beeinflussen können. Doch wir müssen die Psychologie stärker mit dem tatsächlichen Verhalten auf dem Spielfeld verbinden.
Wir sollten nicht nur versuchen, in den Kopf eines Spielers hineinzuschauen. Wir müssen untersuchen:
- Wie handelt der Spieler tatsächlich?
- Was tut er auf dem Spielfeld?
- Wie nimmt er seine Umgebung wahr?
- Wie kommuniziert er?
- Wie verhält er sich in entscheidenden Situationen?
Wahrnehmung und Scanning
Ein Beispiel ist die visuelle Wahrnehmung beziehungsweise das sogenannte Scanning. Auf höchstem Niveau, etwa in der Champions League, ist es heute entscheidend, dass Spieler ihre Umgebung beobachten, bevor sie den Ball erhalten. Wer sich vor der Ballannahme nicht umschaut und keine Informationen aufnimmt, hat einen erheblichen Nachteil. Die besten Spieler der Welt richten ihren Kopf regelmäßig auf und erfassen, was um sie herum geschieht. Dadurch können sie schneller und besser entscheiden.
Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen einer höheren Scanning-Frequenz und besserer Leistung. Dieses Ergebnis wurde inzwischen auch von anderen Forschungsgruppen bestätigt.
Allerdings bedeutet das nicht, dass mehr Scanning grundsätzlich immer besser ist. Es muss zur Spielsituation passen. Spieler müssen lernen, wann, wohin und mit welchem Zweck sie schauen.
Schon junge Spieler können darin geschult werden, ihre Umgebung frühzeitig wahrzunehmen und Informationen aufzunehmen. Dadurch lernen sie, schneller zu denken und bessere Entscheidungen zu treffen.
Mit Druck umgehen
Ein weiteres zentrales Thema der Arbeit von Prof. Dr. Geir Jordet ist der Umgang mit Druck – sowohl individuell als auch im Team.
Bei großen Turnieren seien das Team und die Unterstützung durch das Umfeld wichtig. Ein einzelner Spieler könne sich nicht vollständig allein auf den Druck einer Weltmeisterschaft oder eines anderen bedeutenden Wettbewerbs vorbereiten. Er brauche die Unterstützung seiner Mannschaft.
Teams können Druck besser bewältigen, wenn die Spieler:
- miteinander verbunden sind,
- sich gegenseitig unterstützen,
- offen kommunizieren,
- Emotionen wahrnehmen,
- Verantwortung füreinander übernehmen.
Körpersprache ist Kommunikation
Das Hauptthema im Vortrag war die Körpersprache. Körpersprache umfasst sichtbare, nonverbale Verhaltensweisen, durch die Menschen ihre Emotionen, Absichten und Haltungen ausdrücken. Gleichzeitig nehmen wir über die Körpersprache wahr, wie sich andere Menschen fühlen und wie Beziehungen innerhalb einer Gruppe gestaltet sind.
Diese Fähigkeit ist tief in uns verankert. Menschen erkennen seit Jahrtausenden an Mimik, Haltung und Bewegungen, ob andere freundlich, gefährlich, angespannt, dominant oder unterstützend sind.
Unser Gehirn prüft fortwährend:
- Bin ich hier sicher?
- Gehören diese Menschen zu meiner Gruppe oder Team?
- Kann ich ihnen vertrauen?
- Unterstützen sie mich?
- Haben wir eine gemeinsame Zukunft?
Verbundenheit und Zugehörigkeit sind grundlegende menschliche Bedürfnisse. Deshalb beeinflussen nonverbale Signale unser Verhalten und unsere Leistungsfähigkeit erheblich.
Körperkontakt, Verbundenheit und Leistung
Klassische Untersuchungen aus dem Sport zeigen, dass Teams, deren Spieler sich häufiger berühren, abklatschen oder auf andere Weise körperlichen Kontakt herstellen, später teilweise erfolgreicher abschneiden.
Dabei müssen selbstverständlich weitere Einflussfaktoren berücksichtigt werden. Dennoch deutet die Forschung darauf hin, dass sichtbare Verbundenheit und gegenseitige Unterstützung für die Leistung einer Mannschaft relevant sein können.
Auch die Zeit ohne Zuschauer während der Coronapandemie zeigte, welchen Einfluss das soziale Umfeld haben kann. Bei einigen Spielern und Mannschaften waren weniger emotionale Ausdrucksformen und weniger sichtbare Interaktionen zu beobachten.
Zuschauer, Mitspieler und das gesamte Umfeld können Emotionen und Verhalten auf dem Spielfeld beeinflussen.
Körpersprache ist nicht eindeutig
Viele Ausdrucksweisen werden kulturübergreifend erkannt. Wir verstehen häufig, ob jemand wütend, enttäuscht, erfreut oder frustriert ist, selbst wenn wir den genauen Kontext nicht kennen.
Dennoch müssen wir bei der Interpretation vorsichtig sein. Dasselbe Verhalten kann je nach Situation etwas völlig anderes bedeuten. Ein Spieler, der den Kopf senkt, kann enttäuscht sein. Er kann aber auch erschöpft sein, sich konzentrieren oder versuchen, seine Emotionen zu regulieren.
Eine Geste kann spontan und emotional sein. Sie kann aber auch bewusst eingesetzt werden, um:
- einen Mitspieler zu beeinflussen,
- einen Schiedsrichter anzusprechen,
- taktische Hinweise zu geben,
- Unterstützung zu zeigen,
- die Mannschaft zu führen.
Auch nichts zu tun ist Kommunikation. Selbst wenn ein Spieler still steht und scheinbar keine Botschaft sendet, wird sein Verhalten von den anderen wahrgenommen und interpretiert.
Emotionale und taktische Kommunikation
Auf dem Spielfeld lassen sich unterschiedliche Formen nonverbaler Kommunikation beobachten.
Emotionale Kommunikation
Spieler zeigen beispielsweise: Freude, Frustration, Ärger, Enttäuschung, Stolz, Unsicherheit, Ermutigung. Diese emotionalen Ausdrucksformen geben Hinweise darauf, wie sich ein Spieler in einer bestimmten Situation fühlt. Sie beeinflussen gleichzeitig auch die Mitspieler.
Es geht dabei nicht darum, solche Emotionen grundsätzlich als gut oder schlecht zu bewerten. Sie sind zunächst Informationen über den Spieler und die Situation.
Taktische Kommunikation
Daneben gibt es taktische Führungssignale. Spieler zeigen beispielsweise:
- wohin ein Mitspieler laufen soll,
- wo sich Räume öffnen,
- wie die Abwehrlinie verschoben werden muss,
- wer einen Gegenspieler übernehmen soll,
- wann gepresst werden soll,
- wie der nächste Angriff aufgebaut werden kann.
Gerade auf einem lauten Spielfeld ist die nonverbale taktische Kommunikation enorm wichtig.
Unterstützende Kommunikation
Hinzu kommen Verhaltensweisen, die Unterstützung signalisieren:
- Abklatschen,
- eine Hand auf der Schulter,
- Aufrichten eines Mitspielers,
- Blickkontakt,
- Annäherung nach einem Fehler,
- gemeinsames Jubeln,
- beruhigende oder aufmunternde Gesten.
Solche Signale können Verbundenheit, Empathie und gemeinsame Verantwortung ausdrücken.
Verhalten nach Fehlern
Besonders aufschlussreich ist die Reaktion einer Mannschaft nach einem Fehler oder einer vergebenen Chance.
Ein Spieler verliert den Ball oder begeht einen taktischen Fehler. In diesem Moment können verschiedene Reaktionen auftreten:
- Ein Mitspieler zeigt sichtbaren Ärger.
- Ein anderer wendet sich ab.
- Jemand geht sofort zum Spieler und unterstützt ihn.
- Ein Führungsspieler ordnet die Mannschaft taktisch neu.
- Mehrere Spieler kommen zusammen und besprechen die nächste Aktion.
Diese Reaktionen beeinflussen nicht nur die betroffene Person, sondern das gesamte Team.
Nach einem Fehler braucht eine Mannschaft häufig beides:
- emotionale Bestätigung und Unterstützung,
- eine klare taktische Orientierung für die nächste Situation.
Es reicht nicht, nur Mitgefühl zu zeigen. Gleichzeitig ist eine rein taktische Anweisung ohne menschliche Verbindung möglicherweise ebenfalls unzureichend.
Gute Mannschaften verbinden emotionale Unterstützung mit unmittelbarer Handlungsorientierung.
Verhaltensweisen können mehrere Funktionen haben
Ein Spieler kann zunächst emotional reagieren, beispielsweise die Hände an den Kopf legen. Wenige Sekunden später kann er bereits wieder in eine taktische Führungsrolle wechseln.
Ein und derselbe Spieler kann innerhalb kurzer Zeit:
- Frustration ausdrücken,
- einen Mitspieler unterstützen,
- taktische Informationen weitergeben,
- die Abwehr organisieren,
- neue Energie vermitteln.
Deshalb sollten wir Körpersprache nicht statisch betrachten. Sie ist ein dynamischer Prozess.
Spieler wechseln fortlaufend zwischen emotionalem Ausdruck, taktischer Kommunikation, Unterstützung und Führung.
Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfußball
Prof. Dr. Geir Jordet von der Norwegian School of Sport Sciences beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Wahrnehmung, Verhalten und psychologischen Prozessen im Fußball. Es gibt auch Arbeiten aus seinem Forschungsumfeld, die Frauen- und Männerfußball bzw. geschlechtsspezifische Unterschiede untersuchen.
Dabei zeigte sich, dass die Spielerinnen auf dem Spielfeld insgesamt mehr sichtbare Kommunikation zeigten.
Diese Kommunikation war jedoch häufig stärker taktisch ausgerichtet. Die Spielerinnen nutzten ihre Gesten beispielsweise, um:
- Laufwege anzuzeigen,
- Positionen zu korrigieren,
- Räume zu markieren,
- Mitspielerinnen zu steuern.
Bei den emotionalen Ausdrucksformen waren die Unterschiede weniger eindeutig.
Das Entscheidende ist daher nicht allein die Menge der Kommunikation, sondern deren Funktion und Qualität.
Unterschiede nach Spielposition
Auch die Spielposition beeinflusst das nonverbale Verhalten. Torhüter und zentrale Spieler zeigen beispielsweise häufig viel Kommunikation, weil sie große Teile des Spielfeldes überblicken und ihre Mitspieler organisieren müssen.
Bei Feldspielern kann sich das emotionale Verhalten je nach Position unterscheiden. Verteidiger, Mittelfeldspieler und Stürmer erleben andere Situationen, Verantwortlichkeiten und Belastungen.
Torhüter befinden sich in einer besonderen Rolle: Ihre Fehler sind oft unmittelbar sichtbar und können direkt zu einem Gegentor führen. Gleichzeitig müssen sie permanent organisieren, führen und Sicherheit vermitteln.
Deshalb sollte Körpersprache stets positionsbezogen interpretiert werden.
Veränderungen während eines Spiels
Auch der Spielverlauf beeinflusst das Verhalten. Es zeigte sich in Analysen, dass bestimmte taktische Kommunikationsformen im Laufe eines Spiels abnehmen können. Eine mögliche Erklärung ist die körperliche und mentale Ermüdung.
Wenn Spieler müde werden, kommunizieren sie möglicherweise:
- seltener,
- weniger präzise,
- weniger intensiv,
- weniger taktisch.
Gleichzeitig können emotionale Reaktionen gegen Ende eines Spiels zunehmen. Müdigkeit verringert häufig die Fähigkeit zur Selbstregulation. Hinzu kommt, dass Spiele in der Schlussphase oft emotionaler werden, weil Entscheidungen näher rücken und die Bedeutung einzelner Aktionen zunimmt.
Man kann nicht eindeutig sagen, ob Veränderungen allein auf Müdigkeit, den Spielstand oder die zunehmende Bedeutung der Situation zurückzuführen sind. Wahrscheinlich wirken mehrere Faktoren zusammen.
Das Beispiel Bodø/Glimt
Ein besonders interessantes Beispiel im Vortrag war der norwegische Verein Bodø/Glimt. Bodø ist eine relativ kleine Stadt im Norden Norwegens. Der Verein entwickelte sich in den vergangenen Jahren außergewöhnlich erfolgreich und erreichte auch auf europäischer Ebene große Aufmerksamkeit.
Dieser Erfolg lässt sich nicht nur mit Technik, Taktik oder körperlicher Leistungsfähigkeit erklären. Im Verein entstand eine besondere Kultur, die geprägt ist von:
- Offenheit,
- Lernorientierung,
- starker Kommunikation,
- Zusammenhalt,
- Verbundenheit,
- gemeinsamer Verantwortung.
Spieler und Verantwortliche sprechen nicht nur über Ergebnisse. Sie beschäftigen sich intensiv mit Leistung, Lernen und Entwicklung.
Eine starke Kommunikation hat zu einer besonderen Kultur und Gemeinschaft geführt. Dabei helfen auch die engen sozialen Bindungen innerhalb des Vereins und zur Region.
Gemeinsames Lernen während des Spiels
Bei Bodø/Glimt ist zu beobachten, dass die Spieler Unterbrechungen im Spiel nutzen, um zusammenzukommen.
Nach schwierigen Phasen oder wenn der Gegner Probleme verursacht, besprechen sie gemeinsam:
- Was passiert gerade?
- Welche Schwierigkeiten haben wir?
- Was müssen wir verändern?
- Wie wollen wir den nächsten Angriff gestalten?
- Wie lösen wir das taktische Problem?
Solche Zusammenkünfte ähneln beinahe einer kurzen Reflexions- oder Lernpause. Die Spieler warten nicht ausschließlich auf Anweisungen von außen. Sie versuchen, bereits während des Spiels gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Das ist ein wesentlicher Bestandteil einer prozessorientierten Kultur.
Unterstützung und Verantwortung
Wenn ein Spieler in Schwierigkeiten gerät, ist bei solchen Teams häufig zu beobachten, dass ein Mitspieler sofort zu ihm geht.
Dieses Verhalten kann ausdrücken:
- Ich sehe dich.
- Ich unterstütze dich.
- Wir lösen das gemeinsam.
- Du bist weiterhin Teil der Gruppe.
- Ich übernehme Verantwortung für dich und das Team.
Diese emotionale Bestätigung wird anschließend häufig mit taktischer Führung verbunden. Spieler zeigen dann:
- wie die Abwehr organisiert werden soll,
- wer welchen Raum abdeckt,
- welche Position eingenommen werden muss,
- wie der nächste Angriff verteidigt wird.
Darüber hinaus gibt es passive und aktive Unterstützungsbewegungen innerhalb der gesamten Mannschaft. Mehrere Spieler sichern einander ab und stellen gemeinsam die Ordnung wieder her. Genau darin zeigt sich die Bedeutung des Teams.
Von der subjektiven Beobachtung zur systematischen Messung
Bisher basieren viele Einschätzungen zur Körpersprache auf subjektiven Beobachtungen.
Trainer oder Experten sagen beispielsweise:
- „Dieser Spieler zeigt eine schlechte Körpersprache.“
- „Er wirkt nicht selbstbewusst.“
- „Sie übernimmt keine Verantwortung.“
- „Die Mannschaft unterstützt sich nicht.“
- „Der Spieler reagiert negativ auf Fehler.“
Doch solche Aussagen sind oft unspezifisch.
Was genau wurde beobachtet? Wie häufig trat es auf? In welchen Situationen? Wie verhielt sich der Spieler normalerweise?
Deshalb arbeitet Prof. Dr. Geir Jordet daran, nonverbale Verhaltensweisen systematisch zu erfassen. Mithilfe von Videoanalyse können verschiedene Verhaltensformen klassifiziert und gemessen werden.
Welche Informationen analysiert werden können
Bei einer Mannschaft lässt sich beispielsweise untersuchen:
- Wie entwickelt sich die Kommunikation im Verlauf eines Spiels?
- In welchen Phasen unterstützt sich das Team besonders stark?
- Wann treten negative emotionale Reaktionen auf?
- Welche Spieler zeigen viel taktische Führung?
- Welche Spieler kommunizieren nur wenig?
- Wie verändert sich das Verhalten unter Druck?
- Wie reagiert die Mannschaft nach Fehlern oder Gegentoren?
- Welche Muster zeigen sich über mehrere Spiele hinweg?
Auch einzelne Spieler können analysiert werden.
Man kann vergleichen:
- Wie verhält sich der Spieler in unterschiedlichen Spielen?
- Zeigt er unter Druck mehr negative Körpersprache?
- Unterstützt er Mitspieler?
- Übernimmt er taktische Verantwortung?
- Weicht sein Verhalten in einem Spiel deutlich von seinem persönlichen Durchschnitt ab?
Wenn ein Spieler beispielsweise in einem bestimmten Spiel erheblich weniger unterstützendes Verhalten zeigt als normalerweise, kann dies ein Anlass für ein Gespräch sein.
Die Daten liefern dabei nicht automatisch eine abschließende Erklärung. Sie helfen jedoch, bessere Fragen zu stellen.
Nutzen für Trainer und Sportpsychologen
Solche Informationen können Trainer und Sportpsychologen dabei unterstützen, gezielter mit Spielern und Mannschaften zu arbeiten.
Anstatt allgemein zu sagen: „Deine Körpersprache ist schlecht“, könnte man konkreter formulieren: „Nach Ballverlusten wendest du dich häufig von deinen Mitspielern ab.“ Oder: „Wenn die Mannschaft in Rückstand gerät, nimmst du deutlich weniger Kontakt zu deinen Mitspielern auf.“ Oder: „In schwierigen Phasen zeigst du weniger taktische Führung als in ausgeglichenen Spielsituationen.“ Dadurch wird das Feedback beobachtbar, nachvollziehbar und veränderbar.
Nutzen für das Scouting
Die Analyse nonverbaler Verhaltensweisen kann auch im Scouting und in der Spielerrekrutierung eingesetzt werden.
Neben technischen, taktischen und physischen Daten könnten Vereine untersuchen:
- Wie reagiert ein Spieler auf Fehler?
- Wie verhält er sich bei einem Rückstand?
- Unterstützt er seine Mitspieler?
- Wie führt er unter Druck?
- Wie kommuniziert er in unterschiedlichen Spielsituationen?
- Bleibt sein Verhalten stabil oder verändert es sich stark?
- Passt seine Art der Kommunikation zur Kultur der Mannschaft?
Ein Rekrutierungsbericht könnte somit nicht nur Leistungsdaten enthalten, sondern auch Hinweise auf das soziale und psychologische Verhalten eines Spielers.
Körpersprache lässt sich verändern
Spieler können ihr Verhalten durch gezieltes Coaching verändern können. Ein Spieler wurde dabei unterstützt, mehr positive Körpersprache und weniger negative Ausdrucksformen zu zeigen. Nach der Intervention war zunächst eine Veränderung erkennbar. Im darauffolgenden Spiel näherte sich sein Verhalten teilweise wieder dem ursprünglichen Muster an.
Das zeigt, dass eine einmalige Intervention häufig nicht ausreicht. Verhaltensveränderung benötigt:
- Zeit,
- Wiederholung,
- Rückmeldung,
- Training,
- Reflexion,
- Anwendung in unterschiedlichen Situationen.
Interessanterweise schien es in diesem Fall leichter zu sein, ein negatives Verhalten zu reduzieren, als ein neues positives Verhalten dauerhaft aufzubauen.
Ein Verhalten wegzulassen ist möglicherweise einfacher, als eine neue Gewohnheit zu etablieren.
Die Zukunft der psychologischen Leistungsanalyse
Die systematische Analyse von Körpersprache und nonverbaler Kommunikation steht noch am Anfang.
Die Daten können auf unterschiedliche Weise interpretiert werden und dürfen nicht isoliert betrachtet werden. Sie liefern keine vollständige Erklärung der Psyche eines Spielers.
Sie können jedoch einen bisher weitgehend unsichtbaren Teil der Leistung sichtbar machen.
Technologien wie Computer Vision werden unsere Möglichkeiten in den kommenden Jahren deutlich verändern. Ich gehe davon aus, dass viele professionelle Mannschaften schon bald Zugang zu solchen Daten haben werden.
Dadurch könnte die psychologische Arbeit im Fußball strukturierter werden.
Neben technischen, taktischen und körperlichen Analysen könnten Trainer und Vereine zukünftig auch psychologisch und sozial relevante Verhaltensweisen systematisch beobachten.
Das Ziel besteht nicht darin, Spieler vorschnell zu bewerten oder ihnen Etiketten zu geben.
Das Ziel besteht darin:
- Verhalten besser zu verstehen,
- fundiertere Gespräche zu führen,
- Entwicklung gezielter zu unterstützen,
- Kommunikation im Team zu verbessern,
- Verbundenheit zu fördern,
- Führung sichtbar zu machen,
- Mannschaften leistungsfähiger zu machen.
Körpersprache ist kein nebensächliches Begleitphänomen. Sie ist ein zentraler Bestandteil der Kommunikation, der Führung und der Zusammenarbeit auf dem Spielfeld.



